Ausgabe Mai 2003

Frontfiguren

Der erfolglose Journalist und die Frau mit der kleinen Tochter müssen in New York auf einen Flug nach Europa warten, weil die Fluglotsen streiken. Vom Hotelfenster aus sieht man das hell erleuchtete Empire State Building. Er will der kleinen Alice imponieren und bläst mit voller Kraft aus dem Fenster – und tatsächlich: Der Wolkenkratzer verschwindet plötzlich in der Nacht. Aber Alice lässt sich nicht beeindrucken, schnell findet sie heraus, dass die Strahler um Mitternacht abgeschaltet werden. Der Gag aus Wim Wenders’ Film Alice in den Städten (1973) findet sich noch in weiteren Filmen: Un monde sans pitié (1989) von Eric Rochant und La Haine (1995) von Mathieu Kassowitz, nur ist es hier der Eiffelturm. Einer der Beteiligten kommentiert die Szene dort: „Sowas klappt nur im Kino“. In der Tat ist die Unterwerfung der Realität unter den Willen der gestaltenden Phantasie des Regisseurs ein alter Kinotraum und in diesen Szenen setzt die cineastische Poesie ein Zeichen für die Macht der Träume über im wirklichen Leben scheinbar unbeeinflussbare Ereignisse.

Die Bilderideologie des Irakkrieges hat diesen manipulativen Mechanismus nun umgedreht.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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