Ausgabe Oktober 2003

Gewerkschaften in der Zerreißprobe

Streik in Ostdeutschland für die Angleichung der tariflichen Arbeitszeit an Westniveau – das war wohl keine wirklich gute Idee. Rückblick: Das Angebot eines Bündnisses für Arbeit seitens der Gewerkschaften verschaffte diesen 1995 und dann noch einmal 1998 nicht nur den nötigen Reputationsgewinn in der Öffentlichkeit. Es brachte die Gewerkschaften, die lange Zeit in die Defensive gedrängt waren, auch zurück in die politische Offensive. Allerdings sind derartige Veranstaltungen à la "Konzertierte Aktion" sehr voraussetzungsvoll und mit politischen Langfristkosten verbunden: Sie erfordern für Erfolge die Handlungswilligkeit wie Handlungsfähigkeit aller beteiligten Akteure. Beides war nicht erfüllt. Die Arbeitgeber wollten nicht. Die Gewerkschaften konnten nicht. Ein Scheitern war damit vorprogrammiert mitsamt den politischen Kosten: Denn die geweckten Hoffnungen konnten nicht erfüllt werden. 1 Schuldige wurden gesucht – und auch gefunden. Die Gewerkschaften befanden sich schnell wieder in der politischen Defensive. Was tun?

In diesem Moment setzten sich in den Gewerkschaften jene durch, die schon immer gegen die Konsensstrategie waren und glaubten, mit Forderungspolitik mehr zu erreichen. In der IG Metall spiegelte sich das in dem Machtkampf zwischen Zwickel (Erfinder des Bündnisses) und Peters (Traditionalist mit Forderungsrhetorik) wider.

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