Ausgabe Oktober 2003

Übervater Kagame

Die Präsidentschaftswahlen in Ruanda vom 25. August – die ersten Wahlen im Land, neun Jahre nach dem Völkermord – waren als Schlusspunkt einer Übergangszeit gedacht, in der die Voraussetzungen für ein künftiges stabiles Ruanda geschaffen werden sollten. Überragender Sieger der Wahl ist Paul Kagame, der vor drei Jahren vom Parlament zum Präsidenten des Landes bestimmt wurde, nachdem er Vizepräsident und Verteidigungsminister war. Nun haben gut vier Millionen Ruander gewählt, und das, wie es aussieht, überaus eindeutig: 95,05% stimmten für Kagame, nur 3,62% für seinen angeblich größten Konkurrenten Faustin Twagiramungu, und der dritte Kandidat, Jean Népomuscène Nayinzira, erhielt gar noch kläglichere 1,33% der Stimmen. "It’s a knockout!" titelte die kagamefreundliche "New Times" nach den Wahlen, doch das Triumphgefühl war längst nicht so ungeteilt, wie die Zeitung glauben machen wollte. Nicht wenige Ruander befiel ein Unwohlsein angesichts dieses Ergebnisses, das in vergleichbarer Form eigentlich nur aus Diktaturen bekannt ist.

Einig waren sich allerdings alle darin, dass die Ruhe, die am Wahltag geherrscht hat, bereits als Erfolg zu werten ist. Das ist ganz ohne Zweifel richtig, wenn man sich die jüngere ruandische Geschichte vor Augen hält.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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