Ausgabe August 2004

Zu einer Theorie des Völkermords

Wie andere Delikte auch, erweist sich jene Art des Verbrechens, die uns nach den Erfahrungen der "Holocaust" oder "Shoah" genannten millionenfachen Erschießung oder Vergasung der europäischen Juden durch hunderttausende nationalsozialistische Deutsche wie keine andere moralisch aufbringt, als Ergebnis eines komplexen Zuschreibungsprozesses. Die in den Medien wieder und wieder verbreiteten und ebenso häufig wieder relativierten Warnungen vor einem Völkermord im Westen des Sudan, dem mit Anbruch der Regenzeit weitere hunderttausende Opfer in anderen Teilen des Landes folgen könnten, belegt das trefflich. Bisher konnten sich die zuständigen internationalen Organisationen nicht darauf einigen, die von arabischen Milizen tausendfach verübten Mordtaten, Vergewaltigungen und Vertreibungen als "Genozid", als "Völkermord" zu bezeichnen.

Der Grund für dieses Zögern liegt darin, dass die völkerrechtlich gültige Feststellung eines "Genozids" gemäß der im Dezember 1948 beschlossenen "Konvention über die Verhütung und Bestrafung des Völkermords" für alle Zuständigen Rechtsfolgen und das heißt auch Verpflichtungen nach sich zieht.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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