Ausgabe Februar 2004

Der Oslo-Mann behauptet sich

Das Amt des Ministerpräsidenten trat er unter Vorbehalt an, bildete zunächst nur eine Übergangsregierung und legte zwischenzeitlich sein Amt ganz nieder. Mittlerweile, mehr als vier Monate nach dem Rücktritt seines Vorgängers, scheint die Position von Ahmed Kurei – bekannt auch als Abu Ala – gefestigt.

Mahmoud Abbas (Abu Masen) hatte am 6. September letzten Jahres sein Amt niedergelegt und dies mit dem Unwillen der israelischen Regierung begründet, ihre in der Roadmap definierten Verpflichtungen umzusetzen und konstruktive Schritte zu ergreifen. Auch warf Abbas der US-Regierung vor, Israel nicht entsprechend unter Druck gesetzt zu haben. Neu ins Amt kam ein Mann, der schon immer als professioneller Technokrat galt und sich lieber mit dem Alltagsgeschäft als mit Strategieplanungen befasst. Ahmed Kurei, der bis zu seiner Wahl zum Regierungschef als Präsident des Palästinensischen Legislativrates amtierte, war nie Guerilla-Kämpfer. Dafür zeigt sich der 68jährige als erfahrener Vermittler zwischen den verschiedenen Fraktionen der palästinensischen Gemeinschaft. Während seiner gesamten Tätigkeit als Sprecher des Palästinensischen Legislativrates vermittelte er etwa erfolgreich zwischen Arafat und den anderen Gruppen innerhalb des Rates.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Am Rande des Abgrunds: Britische Demokratie in der Krise

von Annette Dittert

Es war sicher kein Zufall, dass Banksy seine erste große Skulptur genau eine Woche vor den wichtigen britischen Regionalwahlen am 7. Mai mitten im Herzen von Westminster aufgestellt hatte. Als hätte er das Wahlergebnis vorhergesehen, zeigt Banksy einen Mann auf einer hohen Säule, in der rechten Hand eine riesige schwarze Flagge.