Ausgabe Januar 2004

Kolumbianisches Wunder

Die harte Hand des kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe, an der Macht seit Februar 2002, erzielt tatsächlich vorzeigbare Resultate: Es wird heute deutlich weniger entführt und Kolumbiens Bürger trauen sich wieder auf die Überlandstraßen, wenn auch vorsichtig in von Schützenpanzern begleiteten Konvois. Dank der Operation Orion konnte im Sommer 2003 auf Medellins Stadthügeln das Slumviertel Comuna 13 zurückerobert werden. Da die Streitkräfte mit offensivem Gerät erstmals wirklich kämpfen, musste die FARCGuerilla schmerzhafte punktuelle Niederlagen einstecken. Schließlich ging auch die Hektarfläche des Koka- Anbaus deutlich zurück.

Offen bleibt freilich die Frage nach dem Preis. Ökologisch verursacht das Programm intensiver Entlaubungsaktionen vom Flugzeug aus Verheerungen; ganze Bergtäler verkarsten. Arauca, die tropische Erdölprovinz im Osten, wurde zum Schlachtfeld. Überhaupt haben Offiziere wieder deutlich das Sagen. Marta Lucia Ramirez, die erste Frau auf dem Posten des Verteidigungsministers, ehrlich bemüht um das Eindämmen der Korruption unter den Uniformierten, ließ man im November 2003 über drei Tonnen beschlagnahmtes, aber dann unauffindbares Kokain stolpern.

Sie haben etwa 12% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 88% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema Lateinamerika

Bild: imago images / Xinhua

Argentinien: Die Rückkehr des Peronismus

von Tobias Boos

Die Schlacht schien geschlagen, noch bevor der Wahlkampf überhaupt begonnen hatte. Schon bei der Vorwahl im August hatte Alberto Fernández seinen Konkurrenten, den damals amtierenden Präsidenten Mauricio Macri, mit 15 Prozentpunkten Vorsprung weit hinter sich gelassen.

Demonstrierende in Bolivien

Bild: imago images / Fotoarena

Bolivien: Morales als Märtyrer?

von Thomas Guthmann

Vor 14 Jahren trat in Bolivien Evo Morales als erster indigener Präsident Lateinamerikas sein Amt an. Heute, gut zwei Monate nach seinem erzwungenen Rücktritt, ist das Land gespaltener denn je. Während die Interimsregierung das Militär auf die Straßen schickt, kämpft die indigene Bevölkerung um den Erhalt ihrer Rechte.