Ausgabe Juli 2004

Japan auf südkoreanisch

Südkorea schaut auf äußerst turbulente Monate zurück, die die politischen Machtverhältnisse grundlegend verändert haben. Korea-Kenner Karl Grobe sprach in der "Frankfurter Rundschau" gar von einer "Handy Revolution", die stattgefunden habe. Mit Kerzendemonstrationen, zu denen sich allabendlich Hunderttausende auf den Straßen Seouls versammelten, brachte die südkoreanische Bevölkerung zum Ausdruck, wie sehr sie das von der Parlamentsopposition angestrengte Impeachment- Verfahren gegen den Präsidenten missbilligte. So überraschte auch der grandiose Wahlsieg von Präsident Rohs Our Open Party (Uri-Partei) bei der Parlamentswahl am 15. April nicht wirklich. Und wie bereits bei Rohs Wahl zum Präsidenten spielten die Netizens bei der Organisierung des Protests gegen das Impeachment und der Mobilisierung für die Parlamentswahl eine entscheidende Rolle. Netizen - das aus "Net" und "Citizen" zusammengesetzte Kunstwort - steht für die mittels Internet und mobiler Telefone vernetzten Bürger, die vor allem der jüngeren Generation angehören.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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Modis Indien oder: Die Schriftstellerin als Staatsfeindin

von Arundhati Roy

Ich fühle mich sehr geehrt, die diesjährige „Arthur Miller Freedom to Write Lecture“ des PEN America halten zu dürfen. Hätten Arthur Miller und ich derselben Generation angehört und wäre ich US-Bürgerin gewesen, so wären wir uns wohl bei einer Vorladung vor das Komitee für unamerikanische Umtriebe in die Arme gelaufen.