Ausgabe Februar 2005

Sudan - Der Staat als Warlord

Die anhaltend grauenhaften Berichte über die Folgen der Naturkatastrophe in Süd- und Südostasien wurden von einer Meldung unterbrochen, die das Ende einer anderen, allerdings menschengemachten "Katastrophe" zu versprechen scheint: Im Sudan schlossen die Regierung und die Sudanese People's Liberation Army (SPLA) zu Beginn des Jahres ein Friedensabkommen und beendeten damit den seit 1983 andauernden Bürgerkrieg zwischen dem Norden und Süden des Landes.

Über die Friedensbotschaft droht jedoch in Vergessenheit zu geraten, dass die Kämpfe in anderen Teilen des Landes weiter anhalten. Die westliche Region Darfur ist nach wie vor von umherziehenden Banden beherrscht; hier geht das Morden ungehindert weiter. Die humanitäre Krise hat sich zu Jahresbeginn 2005 sogar noch verschärft, da sich die UNO nach erneuten Kampfhandlungen zwischen Guerilla und Regierungstruppen um die Stadt Ghubaysh Ende 2004 aus Darfur zurückzog. Damit können rund 260 000 im eigenen Lande Vertriebene nicht mehr versorgt werden.

In den vergangenen Monaten waren die internationalen Hilfsorganisationen zunehmend ins Visier der sudanesischen Regierung geraten. Der sudanesische Präsident al-Bashir erklärte im Dezember 2004, dass die wirkliche Gefahr im Sudan von internationalen Nichtregierungsorganisationen (NGOs) ausgehe, denen die sudanesische Regierung immer wieder Missionsbestrebungen vorgeworfen hatte.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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