Ausgabe Juni 2005

Die Rückkehr der Gastarbeiterpolitik

Auch wenn im Zuge der jüngsten Visa-Debatten der Eindruck entstehen konnte, dass Westeuropa von Einwanderern überrollt werde: Die Bevölkerung der Bundesrepublik wird vorerst unter sich bleiben. Das Zuwanderungsbegrenzungsgesetz wird die Deutschen vor einer weiteren quantitativ bedeutenden Einwanderung schützen. Der Anwerbestopp von 1973 wurde nicht aufgehoben.

Zwar werden in Zukunft einige so genannte Hochqualifizierte, wie Wissenschaftler, Spezialisten, leitende Angestellte und kapitalkräftige Unternehmer, ein Niederlassungsrecht erhalten. Viele werden aber nicht kommen. Die wenig freundlichen Einstellungen zu Ausländern schrecken ab. Zudem gibt es eine internationale Konkurrenz, die ungleich attraktivere Angebote macht. Die große Zahl der von der Wirtschaft oder in der Gesundheitsversorgung und Altenbetreuung zunehmend benötigten Arbeitskräfte wird wie bisher nur temporär beschäftigt werden. In der Form von Ausnahmeverordnungen für Saisonarbeit lebt das Gastarbeitermodell weiter. So wurden allein im Jahr 2000 fast 350000 befristete Arbeitserlaubnisse erteilt, meist für Saisonarbeit in der Landwirtschaft (90 Tage). Dazu kam ein weiteres Heer temporärer Arbeitskräfte, die über Werkverträge ausländischer Unternehmer oder als reguläre Besucher einreisten und als Schwarzarbeiter im Baugewerbe, in Haushalten und anderen Bereichen vorübergehend tätig wurden.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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