Ausgabe August 2006

Die China-Story

Die China-Story bietet jedem etwas: Konservative können vor dem aufsteigenden Hegemon des Ostens warnen, Progressive sich über den Mangel an sozialer Sicherheit beklagen, ökologisch engagierte Zeitgenossen sind über die chinesische Umweltzerstörung entsetzt, und Menschenrechtsaktivisten können Chinas abstoßendes Desinteresse an persönlicher Freiheit beklagen. Wenn es aber darum geht, tatsächlich aus dem Land zu berichten, steht man vor dem Problem, dass die Geschichten, die da zusammenkommen, nie ganz zueinander passen. Nicht dass irgendeiner dieser Blickwinkel falsch wäre – es gibt zahllose gut belegte Berichte über albtraumartige Fabrikzustände, Menschenrechtsverletzungen, Korruption und Umweltsünden –, aber selbst zusammengenommen liefern sie kein Bild des wirklichen China. Und sie erlauben uns zu ignorieren, was an dieser aufstrebenden Nation das allerwichtigste ist: die Art und Weise, in der sie der unsrigen zu ähneln beginnt.

Kaum drei Tage in China und immer noch unter einem leichten Jetlag leidend, zwängte ich mich in den VW-Jetta eines Pekinger Software-Designers namens Wen Jie, der in das „Industriegebiet Roncheng“ etwa 100 Meilen südwestlich von Peking aufbrach – eine von Hunderten solcher Wirtschaftszonen entlang der chinesischen Küste. Wir verließen die Stadt auf einer neuen, leeren Schnellstraße.

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