Ausgabe Februar 2006

Filialwirtschaft Ostdeutschland

Die Große Koalition verpackt ihre Förderpolitik für Ostdeutschland in die sattsam bekannten hohlen Phrasen und illusorischen Ziele ihrer Amtsvorgänger: Auch sie verkündet in ihrem Koalitionsvertrag, den „Aufbau Ost“ mit dem Ziel fortführen zu wollen, „ein wirtschaftlich selbst tragendes Wachstum zu erreichen“. Dabei wird weiterhin darauf verzichtet zu definieren, dass die sich selbst tragende Wirtschaft eine Produktivität erreichen sollte, die der ostdeutschen Bevölkerung das durchschnittliche westdeutsche Beschäftigungs- und Einkommensniveau ermöglicht. Abgesehen von diesem längst durch Stillschweigen aufgegebenen Ziel, ist aber auch das vage Versprechen, eine „sich selbst tragende“ Wirtschaftsentwicklung erreichen zu wollen, realitätsfremd. Der quantitative und auch qualitative Rückstand der ostdeutschen Wirtschaft gegenüber hoch entwickelten kapitalistischen Standorten ist inzwischen derart groß, dass zu seiner Überwindung langfristig ein weit überdurchschnittliches Wachstum nötig wäre. Eine solche Entwicklung aber ist nicht zu erwarten – und kann auch mit den zugesagten Fördermitteln und -projekten nicht ermöglicht werden.

In ihrer ersten Regierungserklärung hob Kanzlerin Angela Merkel hervor, dass in 15 Jahren Aufbau Ost „Gigantisches geleistet worden ist“.

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Aktuelle Ausgabe Februar 2026

In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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