Ausgabe Februar 2006

Fluch oder Segen?

Öl und Demokratie in Osttimor sowie São Tomé und Príncipe

Neue Technologien der Erschließung von tief verborgenen Ölvorkommen haben einigen Staaten der „Dritten Welt“ in den letzten Jahren einen unerwarteten Geldsegen beschert. Von hohen Wachstumsraten wie im westafrikanischen Äquatorialguinea von 34 Prozent oder im Tschad von 31 Prozent können die rezessionsgeplagten Industrienationen und selbst Petrodollar- verwöhnte OPEC-Staaten nur träumen.1 Dass die Ölbonanza in den meisten Ländern jedoch weder einen wirtschaftlichen noch demokratischen Aufschwung mit sich bringt und oft destabilisierend wirkt, ist ein allgemein als „Ressourcenfluch“ bekanntes Phänomen.

Das Szenario ist immer das gleiche: Ein explosionsartiges Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) hilft den Staatseliten, mit Petrodollars ihre Macht zu festigen. Loyalität wird gut bezahlt, die erforderliche Mehrheit der Stimmen bei eventuell anfallenden Wahlen ebenso. Wichtige Reformen werden auf die lange Bank geschoben, denn die begehrten Ressourcen machen immun gegen den Druck der internationalen Gemeinschaft. Das erst seit Mitte der 90er Jahre im Ölrausch schwelgende Äquatorialguinea wird so weiterhin von Teodoro Obiang Nguema, einem der dienstältesten Diktatoren Afrikas, beherrscht.

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Südsudan: Krieg im Patronagestaat

von Simone Schlindwein

Seit nunmehr drei Jahren tobt im Sudan ein brutaler Krieg zwischen dem sudanesischen Militär SAF und der paramilitärischen Miliz RSF mit ihren rivalisierenden Anführern General Abdelfatah al Burhan und General Mohammed Hamdan Daglo; mehre Millionen Menschen wurden seither innerhalb des eigenen Landes und in Nachbarländer vertrieben, Hunderttausende getötet.