Ausgabe Februar 2006

Fluch oder Segen?

Öl und Demokratie in Osttimor sowie São Tomé und Príncipe

Neue Technologien der Erschließung von tief verborgenen Ölvorkommen haben einigen Staaten der „Dritten Welt“ in den letzten Jahren einen unerwarteten Geldsegen beschert. Von hohen Wachstumsraten wie im westafrikanischen Äquatorialguinea von 34 Prozent oder im Tschad von 31 Prozent können die rezessionsgeplagten Industrienationen und selbst Petrodollar- verwöhnte OPEC-Staaten nur träumen.1 Dass die Ölbonanza in den meisten Ländern jedoch weder einen wirtschaftlichen noch demokratischen Aufschwung mit sich bringt und oft destabilisierend wirkt, ist ein allgemein als „Ressourcenfluch“ bekanntes Phänomen.

Das Szenario ist immer das gleiche: Ein explosionsartiges Wachstum des Bruttoinlandsproduktes (BIP) hilft den Staatseliten, mit Petrodollars ihre Macht zu festigen. Loyalität wird gut bezahlt, die erforderliche Mehrheit der Stimmen bei eventuell anfallenden Wahlen ebenso. Wichtige Reformen werden auf die lange Bank geschoben, denn die begehrten Ressourcen machen immun gegen den Druck der internationalen Gemeinschaft. Das erst seit Mitte der 90er Jahre im Ölrausch schwelgende Äquatorialguinea wird so weiterhin von Teodoro Obiang Nguema, einem der dienstältesten Diktatoren Afrikas, beherrscht.

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Aktuelle Ausgabe Mai 2020

In der Mai-Ausgabe analysiert der Historiker Adam Tooze das radikal Neue der Coronakrise, deren ökonomische Folgen uns noch auf Jahrzehnte beschäftigen werden. Die Politikwissenschaftler Kurt M. Campbell und Rush Doshi zeigen, wie sich China im Kampf gegen die Pandemie als neue globale Führungsmacht positioniert – vor allem gegen die USA. Der Historiker Yuval Noah Harari mahnt, dass wir Herausforderungen wie Covid-19 nur in globaler Kooperation bewältigen können. „Blätter“-Redakteur Albrecht von Lucke erörtert, wie sich die Demokratie gegen den Ausnahmezustand bewähren kann – und muss. Und Simone Schlindwein, Ellen Ehmke, Jessé Souza sowie Franziska Fluhr widmen sich den Folgen der Coronakrise für den globalen Süden.

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