Ausgabe Januar 2006

Israelische Rochaden

Es rührt sich zurzeit etwas in Israel. Nicht nur hat Premierminister Ariel Scharon den Abzug aus dem Gazastreifen vollzogen; nicht nur hat er aus dem innerparteilichen Debakel, welches dieser Akt zeitigte, die politische Konsequenz gezogen und ist aus dem Likud geschieden, um eine neue Parteigründung zu lancieren, sondern auch bei der gegnerischen Arbeitspartei ist Unvorstellbares geschehen: Der staatsmännisch renommierte Politprofi Schimon Peres, bei dem es zuweilen scheinen mochte, als würde er alle Aspiranten auf seine Nachfolge überleben, ist von Amir Peretz, einem nicht dem klassischen Parteiestablishment angehörenden Gewerkschaftspolitiker, aus dem Amt des Parteivorsitzenden katapultiert worden, um kraft seiner neu errungenen Machtposition die Koalitionspartnerschaft mit dem Likud aufzukündigen und vorgezogene Neuwahlen im kommenden März zu erzwingen.

Alles keine selbstverständlichen Geschehnisse. Denn ein aus den besetzten Gebieten sich zurückziehender Scharon unterwandert nicht nur sein politisches Kapital als Ziehvater, ideologischer Förderer und tatkräftiger Unterstützer der Siedlerbewegung, sondern zerstört zugleich auch, konsequent zu Ende gedacht, das, was man gemeinhin als sein eigentliches Lebenswerk anzusehen pflegt, nämlich das über Jahrzehnte beharrlich gewachsene Siedlungswerk.

Sie haben etwa 11% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 89% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe April 2020

In der April-Ausgabe analysiert der Politikwissenschaftler Ulrich Menzel, wie die Corona-Krise die große Erzählung vom Segen der Globalisierung endgültig entzaubert. Der Ökonom Thomas Piketty widmet sich der Ideologie der Ungleichheit und zeigt: Das Aufstiegsversprechen westlicher Gesellschaften ist nicht länger tragfähig. Der Historiker Yoni Appelbaum erkennt im demographischen Wandel in den USA einen zentralen Treiber für den wachsenden Hass in der amerikanischen Gesellschaft. Der Migrationsforscher Mark Terkessidis geht den kolonialen Wurzeln des Rassismus auf den Grund. Und die Juristin und »Blätter«-Mitherausgeberin Rosemarie Will würdigt die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur Suizidassistenz.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema