Ausgabe März 2006

Die verlorenen Dialoge der Zivilisationen

Ein Essay des Literaturnobelpreisträgers

Wenn die indische Schriftstellerin Arundhati Roy gegen die Überschwemmung menschlicher Gemeinschaften durch die Flutwasser eines Staudammes kämpft, dann protestiert sie nicht nur gegen den Vormarsch der Technologie auf Kosten lebender Gemeinschaften. Sie schützt auch das Erbe und die Kultur, die fundamentalen Bestandteile der Zivilisation, die eine menschliche Gemeinschaft definieren und sie als eine lebendige Einheit auszeichnen, die ihre Existenz kontinuierlich neu schafft. Wir haben es uns aber angewöhnt, Fortschritt mit dem technischen Fortschritt gleichzusetzen, nach dem Motto „je gigantischer, desto besser“, so dass vieles von dem, was wir als eindeutige Belege für die Leistungen des menschlichen Geistes ansehen, zerstört wird.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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von Simone Schlindwein

Seit nunmehr drei Jahren tobt im Sudan ein brutaler Krieg zwischen dem sudanesischen Militär SAF und der paramilitärischen Miliz RSF mit ihren rivalisierenden Anführern General Abdelfatah al Burhan und General Mohammed Hamdan Daglo; mehre Millionen Menschen wurden seither innerhalb des eigenen Landes und in Nachbarländer vertrieben, Hunderttausende getötet.