Ausgabe Dezember 2007

Prekäre Laizität: Die Religion der Italiener

Obwohl das postsäkulare Zeitalter auch in Italien längst begonnen hat, ist die Bedeutung der Institution Kirche in der jüngsten Vergangenheit enorm gewachsen, weit mehr als in anderen Ländern Europas. In ihrem Selbstverständnis als moralische Autorität beansprucht die katholische Kirche direkten Einfluss auf die italienische Öffentlichkeit und sogar auf die Legislative – und sie weitet diesen beständig aus.

Dabei reagieren die Kirchenmänner höchst ambivalent auf ihren Erfolg. Einerseits betonen sie immer wieder die Gefahren, die mit einem „Ausschluss Gottes aus dem öffentlichen Leben“ verbunden sind. Hingewiesen wird dabei, nicht zuletzt von Papst Benedikt XVI., auf das tückische wie allumfassende Konzept des „Relativismus“ bzw. „Laizismus“, dem die Absicht zugrunde läge, die Gegner moralisch zu diffamieren und politisch auszuschalten. Andererseits verhehlen die Kleriker nicht ihre Genugtuung über die große öffentliche Aufmerksamkeit, die sie in Italien genießen. Sie sehen darin ein Zeichen der „erneuten Bejahung der christlichen und katholischen Identität im Lande“, so die offizielle Erklärung der italienischen Bischöfe. In diesem Kontext ist es interessant, sowohl die argumentative als auch politische Strategie der Kirche genauer zu beleuchten.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Dezember 2020

Joe Biden heißt der Sieger dieser historischen US-Präsidentschaftswahl. In der Dezember-Ausgabe beleuchten die Politikwissenschaftler Peter Beinart und Albena Azmanova, der Ökonom Marshall Auerback sowie die Journalistin Elaine Godfrey die Gründe für Trumps Niederlage sowie die gewaltigen Herausforderungen, vor denen der designierte Präsident und dessen Partei stehen. Die Ökonomin Mariana Mazzucato plädiert dafür, in der Coronakrise die Weichen für die Schaffung einer inklusiveren und nachhaltigeren Wirtschaftsweise zu stellen. »Blätter«-Redakteurin Annett Mängel legt dar, wie eine resonanzstarke Minderheit von Ärzten die Pandemie verharmlost und so den Coronaleugnern in die Hände spielt. Und die Journalistin Cinzia Sciuto sowie der Philosoph Pascale Bruckner plädieren für einen deutlich kritischeren Umgang mit dem Islamismus – gerade seitens der Linken.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Warum Trump verlor

von Peter Beinart

Die Gründe dafür, dass Donald Trump nicht wiedergewählt wurde, reichen bis in den Frühsommer 2016 zurück, als er sich auf einen schicksalhaften Deal mit der eigenen Partei einließ. Im Juni jenes Jahres gab Paul Ryan, der Sprecher des Repräsentantenhauses – der Trump, selbst nachdem dieser zum De-facto-Kandidaten der Republikaner geworden war, demonstrativ die Anerkennung verweigert hatte –, endlich klein bei.

Die Prekaritätswahl

von Marshall Auerback, Albena Azmanova

Zwar wird Joe Biden Amerikas nächster Präsident, aber der knappe Wahlsieg der Demokraten entsprach durchaus nicht der überwältigenden „blauen Welle“, die viele Demoskopen verheißen hatten. Die in der Tat schlagendste Erkenntnis des 2020er Ergebnisses ist vielmehr die Deutlichkeit, mit der dieses die tiefen Spaltungen der 2016er Wahlen erneut offengelegt hat.

US-Demokraten: Ende des Burgfriedens

von Elaine Godfrey

Die jubelnde Menschenmenge, die sich am Samstag nach der US-Präsidentschaftswahl vor dem Weißen Haus versammelte, beeindruckte nicht nur durch ihre Größe, sondern auch durch ihre Heterogenität – als wäre eine repräsentative Stichprobe der Einwohnerschaft von Washington, D.C., auf der Black Lives Matter Plaza abgesetzt worden, um Joe Bidens Sieg zu feiern. Da gab es Code-Pink-Friedensaktivistinnen in bauchfreien Shirts, tanzende schwarze Teenager sowie Beratertypen in ihren blaukarierten Businesshemden. Frauen in Yoga-Leggings trugen Biden-2020-Schilder, Eltern trugen Babys und Großmütter winzige zitternde Hündchen durch das Gewimmel.