Ausgabe Januar 2007

Gerechter Frieden

Deutsche Verantwortung im Lichte des 9. November

Der 9. November scheint ein deutsches Verlangen zu stören, das sich gegenwärtig mit wachsender Lautstärke zu Wort meldet.1 Ich meine das Verlangen nach einem – wie man sagt – unbefangenen Nationalgefühl, nach einem deutschen Identitätsbewusstsein, das sich nicht auf Auschwitz fixiert noch fixieren lässt, nach einem deutschen Patriotismus, der gern seine Flagge zeigt. Der 9.

Der 9. November scheint ein deutsches Verlangen zu stören, das sich gegenwärtig mit wachsender Lautstärke zu Wort meldet.1 Ich meine das Verlangen nach einem – wie man sagt – unbefangenen Nationalgefühl, nach einem deutschen Identitätsbewusstsein, das sich nicht auf Auschwitz fixiert noch fixieren lässt, nach einem deutschen Patriotismus, der gern seine Flagge zeigt. Der 9. November würgt dieses Verlangen nicht ab, er bringt es aber auf den Prüfstand kritischer Selbstreflexion. Er tut dies durch den ungeheuren Kontrast von Hell und Dunkel, den die drei 9. November der deutschen Geschichte im vorigen Jahrhundert umschließen.

Man hat den 9. November das Schicksalsdatum der Deutschen genannt. Vielleicht hat er eher die providenzielle Funktion, uns Deutsche mit beiden Seiten unserer Geschichte zu konfrontieren und in der Konzentration auf einen Tag deren Untrennbarkeit einzuschärfen. Wir können uns nicht des Mauerfalls und der Einheit freuen, ohne an den 9.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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