Ausgabe April 2008

Auf einem Sonderweg nach Westen

Die Blätter in den 80er Jahren

„History is what hurts“ (Frederic Jameson)

Die Debatte um die Nachrüstung amerikanischer Mittelstreckenraketen wühlte Anfang der 80er Jahre nicht nur die Republik auf, sondern hatte auch kollaterale Effekte, was die Staatsbilder und -verhältnisse der verschiedenen Kritikergruppen betraf. Denn es ging hier ja nicht allein um eine Konfrontation mit der bundesdeutschen Politik, sondern gerade indem diese einer vehementen Kritik unterzogen wurde, definierten und modifizierten sich auch die Kritikerpositionen selbst. Niklas Luhmann hatte mit Blick auf die integrativen Mechanismen oppositionellen Verhaltens bemerkt, es ginge diesen Bewegungen letztlich darum, im Dagegensein dazu zu gehören – und genau diese Perspektive ist aufschlussreich, wenn man sie auf die Akteure der Friedensbewegung anwendet.

Wie in der historischen Rückschau deutlich wird, stand das Verhältnis zum Staat der Bundesrepublik im Mittelpunkt der damaligen Diskussionen. In der Nachrüstungsdebatte bündelten sich viele der in den zurückliegenden Jahren akkumulierten Staatsbilder, um durch die Gestalt eines unberechenbaren Rüstungsstaates ergänzt zu werden, der das Überleben der Deutschen auf einem künftigen Schlachtfeld Mitteleuropa aufs Spiel zu setzen bereit war.

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