Ausgabe Dezember 2008

Der historische Moment

Nicht wir, die Erben dieses großen Triumphs, sind die eigentlichen Sieger. Der Ruhm gebührt Martin Luther King und all den anderen Märtyrern, die für die Bürgerrechte starben. Und den Millionen vor ihnen, die im Lauf der Jahrhunderte kämpften, aber ihre Freiheit noch nicht zu gewinnen vermochten. Und auch jenen raren Politikern wie Lyndon B. Johnson, der im entscheidenden Moment1 tapfer seinen Mann stand, obwohl er genau wusste, welchen Preis seine Partei dafür auf Jahre hinaus würde zahlen müssen. Ihnen allen schulden wir Dank, dass wir den gegenwärtigen Augenblick erleben dürfen.

Wie auch immer es weitergeht – Barack Obama hat diese Nation schon jetzt grundlegend verändert. Dieser Mann ist, wie vor ihm King, ein großer und mutiger Lehrer. Die vielfältigen Erfahrungen seines bisherigen Lebens haben Obama befähigt, ein anderes Verständnis dieses Landes zu entwickeln, und er war mutig genug, sich mit dieser Vision, diesem Angebot, um die Präsidentschaft zu bewerben.

Für viele Amerikaner war das Angebot zunächst mehr, als sie fassen konnten, aber wie sich herausstellt, hat er mit seinem Glauben an uns Recht behalten. Gegen alle Wahrscheinlichkeit gelang es ihm, eine Mehrheit der Amerikaner dazu zu bewegen, an ihr besseres Ich zu glauben. Und indem es ihn wählte, machte das Volk den Traum wahr.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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