Ausgabe Januar 2008

Wachstum und Widerstand

Der Kampf der chinesischen Wanderarbeiter

Im Oktober 2007 beschloss der Nationale Volkskongress als das laut Verfassung höchste chinesische Staatsorgan, dass die Volksrepublik eine „harmonische Gesellschaft“ sei. Demgegenüber weisen die zunehmenden sozialen Konflikte im Land eher in die entgegengesetzte Richtung. Die entscheidende Frage lautet daher, ob sich der brutale Manchesterkapitalismus der frühen Jahre der Dengschen Reformpolitik zu einem sozialdemokratischen Kapitalismus wandeln kann.

Eine bedeutende Rolle wird dabei die Umsetzung des von der chinesischen Regierung im Juli 2007 verabschiedeten neuen Arbeitsgesetzes spielen. Denn die Wende von der autoritären Planwirtschaft zur despotischen Wachstumsmarktwirtschaft1 – mit ihren riesigen Sweatshops für den Export und Ziegeleien mit versklavten Kindern, aber auch mit High-Tech-Parks, „Silicon- Cities“ und postmodernen Shopping-Malls – hat gleichzeitig eine Vielzahl neuer Arbeitsregime entstehen lassen.2 Dabei haben Entstaatlichung, Massenmigration vom Land in die Städte und Privatisierung neue soziale Klassen geschaffen; insbesondere die 200 Millionen Migrantinnen und Migranten gelten als „neues Proletariat“ und sozialer Krisenherd beim langen Marsch Chinas in den Weltmarkt.3 Es sind vor allem ihre sozialen Kämpfe, die die Verrechtlichung und Verbesserung der Arbeitsbeziehungen sowohl mit Blick auf den Staat als auch gegenüber den Unternehmen vorantreiben.

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In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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