Ausgabe Februar 2009

Autodämmerung

Der beste Freund des deutschen Mannes war sein Auto. Im Lack seines Daimlers spiegelte sich sein Selbstbewusstsein, sein BMW war ihm Ausweis schneller Erfolge, selbst ein Opel konnte ihm noch jene scheibengebremste Sicherheit bieten, die ihm sonst die NATO versprach, doch in Biberach an der Riss oder in Kyritz an der Knatter nie unter Beweis stellen musste. Fahrer von Last-Kraft-Wagen protzten auf den Hecks ihrer Kraft-Fahrzeuge „Ich hab den Längsten“ und der Geschlechterkampf schrieb sich auf der Heckscheibe so manchen Golfs in die Geschichte: „Ich bremse nicht für Frauen“.

Weit über den individuellen Stolz am eigenen Automobil hinaus galten den Deutschen ihre Autos als Ausweis ihres Könnens, ihrer Identität und ihrer Überlegenheit: Sie mochten diesen oder jenen Krieg verloren haben, selten genug sogar ein Fußballspiel, doch das Rennen auf der Autobahn machten immer die Deutschen. FIAT lux (Genesis 1,3) konnten die Italiener gern auf ihre schnell rostenden Gefährte schreiben, doch wenn es dann grünes Licht wurde, war der Porsche längst an ihnen vorbeigezogen. Die weichen Polster französischer Herkunft verführten den deutschen Fahrer kaum. Er blieb hart. Auch in der Kurve.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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