Ausgabe Juli 2009

Feuerkopf der Demokratie: Helmut Ridder (1919-2007)

„Ein Feuerkopf“ – so bezeichnete einst Helmut Ridder einen seiner wohl begabtesten und ihm besonders nahestehenden Schüler in einem Nachruf auf den früh verstorbenen Hans Copic vor mehr als 40 Jahren. Ein Feuerkopf war Ridder jedoch vor allem selbst: ein Mann des präzisen, strengen und unbestechlichen Denkens, stets befeuert von der Leidenschaft für die öffentlichen Angelegenheiten. Die politische Passion des langjährigen „Blätter“-Mitherausgebers war genau das – ein Leiden an den politischen Verhältnissen, durchaus aber kein Erdulden. Das war seine Sache nicht. Den restaurativen Verhältnissen der frühen Bundesrepublik, die in der gegenwärtigen Jubelstimmung zum 60. Geburtstag von Grundgesetz und Republik allzu oft verdrängt werden, begegnete er eher mit der intellektuellen Offenheit und Frische, vermischt vielleicht sogar mit ein wenig Naivität eines aufmerksamen und sensiblen Zeitgenossen, der frappiert war über die politische Blindheit, Ignoranz und Verstocktheit, mit der die politischen und juristischen Eliten jenen Mief erzeugten, an der die ihm folgende Generation der 68er glaubte, ersticken zu müssen.

So entzündete die Politik in ihm polemische Fähigkeiten, die oft in einem frappanten Gegensatz zu seinem durchaus konservativ-professoralen Habitus standen. So wenig wie ein duldendes hatte er aber auch kein strategisches Verhältnis zur Politik und den in ihr wirkenden Kräften.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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