Ausgabe Juli 2009

Feuerkopf der Demokratie: Helmut Ridder (1919-2007)

„Ein Feuerkopf“ – so bezeichnete einst Helmut Ridder einen seiner wohl begabtesten und ihm besonders nahestehenden Schüler in einem Nachruf auf den früh verstorbenen Hans Copic vor mehr als 40 Jahren. Ein Feuerkopf war Ridder jedoch vor allem selbst: ein Mann des präzisen, strengen und unbestechlichen Denkens, stets befeuert von der Leidenschaft für die öffentlichen Angelegenheiten. Die politische Passion des langjährigen „Blätter“-Mitherausgebers war genau das – ein Leiden an den politischen Verhältnissen, durchaus aber kein Erdulden. Das war seine Sache nicht. Den restaurativen Verhältnissen der frühen Bundesrepublik, die in der gegenwärtigen Jubelstimmung zum 60. Geburtstag von Grundgesetz und Republik allzu oft verdrängt werden, begegnete er eher mit der intellektuellen Offenheit und Frische, vermischt vielleicht sogar mit ein wenig Naivität eines aufmerksamen und sensiblen Zeitgenossen, der frappiert war über die politische Blindheit, Ignoranz und Verstocktheit, mit der die politischen und juristischen Eliten jenen Mief erzeugten, an der die ihm folgende Generation der 68er glaubte, ersticken zu müssen.

So entzündete die Politik in ihm polemische Fähigkeiten, die oft in einem frappanten Gegensatz zu seinem durchaus konservativ-professoralen Habitus standen. So wenig wie ein duldendes hatte er aber auch kein strategisches Verhältnis zur Politik und den in ihr wirkenden Kräften.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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