Ausgabe Juli 2009

Lehren des New Deal

Was wir von Roosevelt lernen können

Gegenwärtig erleben wir – nicht nur, aber speziell in den Vereinigten Staaten – eine intensive Debatte über Geschichte und gegenwärtige Bedeutung des amerikanischen New Deal. Nach meiner Auffassung haben die Große Depression, also die Weltwirtschaftskrise Anfang der 30er Jahre, Franklin Roosevelts New Deal und dann der Zweite Weltkrieg drei prinzipielle Einsichten über die Wirtschaftspolitik hervorgebracht.

Die erste dieser Grundeinsichten lautet: Unregulierter Kapitalismus korrigiert sich nicht notwendigerweise selbst; es kann zu Massenarbeitslosigkeit kommen und diese kann lange anhalten. Die zweite Einsicht besagt, dass direkte Interventionen der Politik ins Wirtschaftsgeschehen die größte Wirkung entfalten, wenn sie die breite Bevölkerung unmittelbar ins Auge fassen – also nicht gefiltert durch diejenigen, die oben stehen – und wenn ihre Größenordnung ausreicht. Und drittens haben die fiskalischen Rückschritte, die die Rezession der Jahre 1937/38 verursachten, gezeigt, dass ein Griff nach dem Rückwärtsgang sich verheerend auswirkt.

Im Folgenden möchte ich vier Aspekte herausarbeiten.

Erstens: Genau wie unsere gegenwärtigen Probleme erwuchs die Große Depression aus einem Zusammenbruch des Bankensystems und der Vermögenswerte – eben dem Great Crash.

Sie haben etwa 5% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 95% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Zusteller in einer Sackgasse

Bild: Baptiste Theureaux / Pixabay

Vom Verlust guter Arbeit: Das Elend der Paketboten

von Anette Dowideit

Arbeit ist einer der wichtigsten Lebensinhalte der Menschen heute. Sie stiftet Sinn, sie gibt den Menschen das Gefühl, etwas wert zu sein. Wer hingegen keine Arbeit hat, beginnt auch schneller an der Politik zu zweifeln, die er dafür verantwortlich macht.

Kollege Weinstein: Sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz

von Godela Linde

Harvey Weinstein, der einst gefeierte, dann aber massiver sexueller Belästigung und Vergewaltigung beschuldigte Hollywood-Produzent, greift auf seine Versicherung zurück: Diese zahlt 44 Mio. US-Dollar, davon 30 Mio. an betroffene Frauen, die Geldgeber seiner Filmfirma und deren Angestellte. Die übrigen 14 Mio. fließen in Weinsteins Anwalts- und Prozesskosten.