Ausgabe Juni 2009

Krisenlösung Vollbeschäftigung

Die Finanzkrise kann nicht allein durch Finanzpolitik gelöst werden. Denn sie ist nur ein Symptom. Und das Kurieren am Symptom, also eine Regulierung der Finanzströme, wäre reine Kosmetik, bliebe deren Ursache unberücksichtigt: nämlich der neoliberale Kapitalismus als Ganzer.

Als Theorie bereits in den 1920er Jahren entstanden, setzte sich der Neoliberalismus erst Anfang der 80er Jahre umfassend durch, als der Keynesianismus in Westeuropa und den USA seinen Zenit bereits überschritten hatte.

Das fordistische Modell in den USA und die historisch einmalig hohen Wachstumsraten von jährlich bis zu zwölf Prozent in der Bundesrepublik, Westeuropa und Japan während der 50er und 60er Jahre hatten zuvor ihre wirksamste wirtschaftspolitische Triebkraft in der keynesianischen Interventionspolitik gefunden, die ungeahnte Wachstumsreserven zu mobilisieren vermochte. So wurden Vollbeschäftigung, steigende Löhne, Zunahme von Kaufkraft und Ausbau der Sozialsysteme zu den Charakteristika eines scheinbar störungsfreien und blühenden Kapitalismus.

Dies änderte sich jedoch schlagartig Anfang der 70er Jahre, als die Wachstumsreserven der Nachkriegsära zur Neige gingen und das bis dato dominante „extensive Wachstumsmodell“ an ökonomische und ökologische Grenzen stieß. Es wurde in der Folge durch das „intensive Wachstumsmodell“ ersetzt.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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