Ausgabe Mai 2009

Monopoly-Kapitalismus - Reservat der Männlichkeit

In der Perspektive feministischer Patriarchatskritik reiht sich die ökonomische Entwicklung der letzten Jahrzehnte ein in die lange Tradition der Metamorphosen patriarchaler Herrschaft. War im Kontext des Strukturwandels von der Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft noch vielfach erwartet worden, dass dies gerade Frauen und einem Abbau der Geschlechterhierarchien im Erwerbssektor zugute kommen würde, bewirkte die explosionsartige Expansion des Finanzsektors die gegenteilige Tendenz: So beanspruchte die Finanzökonomie mit einem weit überproportionalen Männeranteil nicht nur die Dominanz in der neuen Dienstleistungsökonomie, sondern auch einen unverhältnismäßig hohen Anteil am Gesamteinkommen. Parallel dazu gingen die Einkommen in den vorwiegend von Frauen besetzten Segmenten der Dienstleistungsökonomie erheblich zurück, bei gleichzeitiger Prekarisierung der Arbeitsbedingungen und -verhältnisse. Außerdem bewirkte der Siegeszug der Finanzökonomie einen deutlichen Macht- und Bedeutungsverlust der Politik an die Ökonomie und konterkarierte damit auch höchst wirkungsvoll die Zugewinne an Repräsentation und Partizipation, die sich Frauen mühsam in der politischen Sphäre errungen hatten.

Gleichzeitig kreierte das neue Leitsegment der Ökonomie mit dem cool-heroischen Investmentbanker auch eine neue Leitfigur des 21.

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In der März-Ausgabe spannt sich der Bogen von der Antike bis zur Gegenwartskrise: Markus Linden zeigt, wie die Neue Rechte Platon und Cicero für ihre antiliberale Propaganda vereinnahmt. Maike Albath beleuchtet, wie Giorgia Meloni der italienischen Rechten ein vermeintlich harmloses, mütterliches Image verleiht. Antje Schrupp bilanziert die Politik der Gleichstellung und fragt, wie weibliche Freiheit in einem postpatriarchalen Zeitalter neu gedacht werden kann. Zum Holocaust-Gedenktag fordert die Auschwitz-Überlebende Tova Friedman in einem eindringlichen Appell entschlossenes Handeln gegen den wieder aufblühenden Antisemitismus. Eva Illouz diskutiert mit Dieter Thomä, wie im Schatten des Gazakrieges die Voraussetzungen für eine friedliche Zukunft in Nahost geschaffen werden könnten. Wolfgang Zellner analysiert, wie Europa angesichts des drohenden Zerfalls der Nato seine Souveränität bewahren kann. Robert Misik plädiert für einen radikalen Linksliberalismus als Antwort auf den rechten Autoritarismus. Und während Jochen Ahlswede 15 Jahre nach Fukushima vor einer Entmachtung der Atomsicherheitsbehörden warnt, fragt Frank Adloff, wie sich eine ökologische Zukunft trotz multipler Krisen offenhalten lässt.

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