Ausgabe Mai 2009

Nordkoreanischer Atompoker

Der nordkoreanische Raketentest vom 5. April war vom Regime in Pjöngjang als gigantisches Medienereignis inszeniert worden. Bereits seit Januar liefen die Vorbereitungen. Nach dem Test wurden Videos von dem Start gesendet, die dann auch schnell im Ausland zu sehen waren. Angeblich soll der Start auch so gelegt worden sein, dass ihn ein US-Kommunikationssatellit beobachten und Bilder verbreiten konnte. Als Krönung der Inszenierung wurden zudem nach dem Start in Pjöngjang mehr als 100 000 Menschen zur Feier des erfolgreichen Tests abkommandiert.

Die wirkungsvolle Inszenierung und der Umstand, dass der Test nur vier Tage vor der Wiederwahl Kim Jong-Ils als Vorsitzender der Verteidigungskommission stattfand, zeigen, dass der Test wesentlich aus innenpolitischen Gründen erfolgte. Kim, der, wie im Fernsehen zu sehen war, sichtlich gealtert ist und nach seinem Schlaganfall den linken Arm offensichtlich nicht voll bewegen kann, dürfte die Stärkung seiner Position durch den Raketentest als nötig betrachtet haben. Denn er muss angesichts seiner wachsenden Hinfälligkeit die Nachfolgefrage lösen – und dies wird nicht leicht: Sein ältester Sohn ist in Ungnade gefallen, die beiden anderen Söhne sind aber zu jung, um in einer Gesellschaft, in der das Alter einen hohen Stellenwert besitzt, von den Greisen der Militärführung anerkannt zu werden.

Sie haben etwa 11% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 89% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2020

In der Juni-Ausgabe analysiert die Journalistin Kate Aronoff, wie sich Corona-Pandemie, Verschuldung und Klimawandel im globalen Süden zu einer dreifachen Krise verschränken. Die Ökonomen Emmanuel Saez und Gabriel Zucman zeigen, wie die einst progressive Steuerpolitik der USA durch eine systematische Bevorzugung der Reichen abgelöst wurde. Der Agrarwissenschaftler Knut Ehlers und der Präsident des Umweltbundesamtes, Dirk Messner, plädieren für eine radikale Transformation der Landwirtschaft hin zu mehr Nachhaltigkeit. Und »Blätter«-Redakteur Steffen Vogel ergründet den Zusammenhang zwischen Verschwörungsglaube und Popkultur.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Indien: Der große Exodus

von Ellen Ehmke

Es ist der größte Lockdown der Menschheitsgeschichte: Am 24. März verordnete Premierminister Narendra Modi dem indischen Subkontinent eine mehrwöchige Ausgangssperre, die mindestens bis Anfang Mai anhalten soll. Das Ziel: Die Ausbreitung des Coronavirus unter den knapp 1,4 Milliarden Inder*innen aufzuhalten.