Ausgabe November 2009

Simbabwe im Würgegriff

Mugabes Kampf gegen das eigene Volk

Knapp 300 Kilometer südlich von Harare, der Hauptstadt von Simbabwe, befinden sich die Ruinen der Hauptstadt eines mythischen Königreiches, das vor mehr als einem halben Jahrtausend einen Großteil des südlichen Afrikas beherrschte. Die verfallenden Bauwerke sind die größten Beispiele feudaler Baukunst südlich der Sahara. Als vor mehr als 120 Jahren Buren und Briten und auch deutsche Wissenschaftler das Land besetzten, hielten die Invasoren die ansässige Bevölkerung, ja die schwarzen Menschen insgesamt, kognitiv und technologisch für außerstande, Bauwerke solchen Ausmaßes zu planen, zu gestalten und zu bauen. Die Ruinen stammten von Phöniziern, oder das sagenumwobene Reich der Königin von Saba könnte hier seine Goldminen gehabt haben, vermuteten die Kolonisatoren.

Nicht nur, dass sich das unabhängige Simbabwe („House of Big Stones“) nach ebendiesem Königreich benannte, die Frage nach den wahren Erbauern der Ruinenstadt überhöhte sich für den jungen, selbstbewussten, unabhängigen Staat zu einer ideologischen Gewissheit: Die „Ruinen Simbabwes“, wie sie noch von den Kolonisatoren benannt wurden, wandelten sich zu dem von ansässigen Shona erbauten „Great Zimbabwe“. Mit diesem semantisch-politischen Umbau erkämpfte sich das stolze Land vor nun fast 30 Jahren, am 18.

Sie haben etwa 6% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 94% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2026

In der Januar-Ausgabe skizziert der Journalist David Brooks, wie die so dringend nötige Massenbewegung gegen den Trumpismus entstehen könnte. Der Politikwissenschaftler Philipp Lepenies erörtert, ob die Demokratie in den USA in ihrem 250. Jubiläumsjahr noch gesichert ist – und wie sie in Deutschland geschützt werden kann. Der Politikwissenschaftler Sven Altenburger beleuchtet die aktuelle Debatte um die Wehrpflicht – und deren bürgerlich-demokratische Grundlagen. Der Sinologe Lucas Brang analysiert Pekings neue Friedensdiplomatie und erörtert, welche Antwort Europa darauf finden sollte. Die Journalistinnen Susanne Götze und Annika Joeres erläutern, warum die Abhängigkeit von Öl und Gas Europas Sicherheit gefährdet und wie wir ihr entkommen. Der Medienwissenschaftler Roberto Simanowski erklärt, wie wir im Umgang mit Künstlicher Intelligenz unsere Fähigkeit zum kritischen Denken bewahren können. Und die Soziologin Judith Kohlenberger plädiert für eine »Politik der Empathie« – als ein Schlüssel zur Bekämpfung autoritärer, illiberaler Tendenzen in unserer Gesellschaft.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema