Ausgabe November 2009

Simbabwe im Würgegriff

Mugabes Kampf gegen das eigene Volk

Knapp 300 Kilometer südlich von Harare, der Hauptstadt von Simbabwe, befinden sich die Ruinen der Hauptstadt eines mythischen Königreiches, das vor mehr als einem halben Jahrtausend einen Großteil des südlichen Afrikas beherrschte. Die verfallenden Bauwerke sind die größten Beispiele feudaler Baukunst südlich der Sahara. Als vor mehr als 120 Jahren Buren und Briten und auch deutsche Wissenschaftler das Land besetzten, hielten die Invasoren die ansässige Bevölkerung, ja die schwarzen Menschen insgesamt, kognitiv und technologisch für außerstande, Bauwerke solchen Ausmaßes zu planen, zu gestalten und zu bauen. Die Ruinen stammten von Phöniziern, oder das sagenumwobene Reich der Königin von Saba könnte hier seine Goldminen gehabt haben, vermuteten die Kolonisatoren.

Nicht nur, dass sich das unabhängige Simbabwe („House of Big Stones“) nach ebendiesem Königreich benannte, die Frage nach den wahren Erbauern der Ruinenstadt überhöhte sich für den jungen, selbstbewussten, unabhängigen Staat zu einer ideologischen Gewissheit: Die „Ruinen Simbabwes“, wie sie noch von den Kolonisatoren benannt wurden, wandelten sich zu dem von ansässigen Shona erbauten „Great Zimbabwe“. Mit diesem semantisch-politischen Umbau erkämpfte sich das stolze Land vor nun fast 30 Jahren, am 18.

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