Ausgabe September 2009

Die Revolution ist tot - lebt die Demokratie?

20 Jahre demokratische Revolution in Osteuropa

Die Herbsttage des Jahres 1989 waren für mich, meine Familie und unseren Freundeskreis die aufregendsten und interessantesten Tage unseres Lebens. Nur noch als Erinnerung verfügen wir über die erlebnisgeladenen und bis zur Erschöpfung mitgestalteten Wochen des Aufbruchs aus Bevormundung, Disziplinierung und Langeweile, die für uns das DDR-Leben bedeutete. Das gilt, wohlgemerkt, für den öffentlichen Raum der DDR. Das private Leben war reich und ermöglichte uns zum Beispiel den Aufbau eines weit verzweigten Freundeskreises, aus dem sich auch das Neue Forum speiste, dessen Gründungsaufruf am 10. September vor 20 Jahren veröffentlicht wurde. Und daneben gab es viele andere solcher basisorientierten Bewegungen.

Der Herbst 1989 war ein Aufstand der Bürgerschaft eines ganzen Landes. Man mag ihn Revolution nennen, weil er letzten Endes zu einer grundlegenden Neuordnung des Verhältnisses von Entwicklungsstand der Produktivkräfte und der herrschenden Produktionsverhältnisse durch eine politische Massenbewegung führte. Das entspricht durchaus den Definitionen von Karl Marx und Rosa Luxemburg – und wem der Begriff „Revolution“ nicht behagt, der muss eben „Konterrevolution“ sagen, nämlich zurück in die bürgerliche Produktionsweise, wie es von Marx allerdings nicht vorhergesehen war.

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Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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