Ausgabe Januar 2010

Der lange Schatten der Apartheid

Im September 2009 erklärte der südafrikanische Präsident Jacob Zuma überraschend, die ANC-Regierung werde ihre Einwände hinsichtlich einer Klage gegen die internationalen Profiteure der Apartheid nicht länger aufrecht-erhalten. Konkret sollen multinationale Konzerne vor Gericht gestellt werden, die unter Missachtung der UN-Sanktionen mit dem Apartheidregime gute Geschäfte machten und es auf diese Weise stabilisierten. Mit diesem Paukenschlag bricht Zuma sichtbar mit der Praxis seines Amtsvorgängers Thabo Mbeki, der ein gerichtliches Vorgehen stets abgelehnt hatte.

Diese Klage gegen die internationalen Konzerne zeigt, dass das Erbe der Apartheid die Geschicke Südafrikas immer noch belastet. Auch 15 Jahre nach der ersten demokratischen Wahl und elf Jahre nach dem Abschluss der Arbeit der „Wahrheits- und Versöhnungskommission“ ist die nationale Aussöhnung weiterhin eine große Herausforderung. Bis heute wirken die Entmündigung, Ausbeutung und Unterdrückung der schwarzen Bevölkerungsmehrheit durch das weiße Apartheidregime auf vielfältige Weise nach.

Als erste hatte die Organisation Khulumani, die sich als Interessenvertretung von Apartheidopfern definiert, die Klage gegen die internationalen Profiteure des Apartheidregimes angestrengt. „Khulumani“ ist ein Nguni-Wort und bedeutet übersetzt: „frei und öffentlich sprechen“.

Sie haben etwa 13% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 87% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Bild: Aminatou Haidar (imago images / TT)

Westsahara: Afrikas letzte Kolonie

von Aminatou Haidar

Seit 56 Jahren steht das Thema auf der Agenda der Vereinten Nationen. Jetzt hat der UN-Sicherheitsrat beschlossen, das Leiden der Menschen in der Westsahara, der letzten Kolonie Afrikas – flächenmäßig größer als Großbritannien, aber eingezwängt zwischen Marokko, Algerien, Mauretanien und dem Meer –, weiter zu verlängern.

Alte Macht, junge Revolte: Afrikas dritte Protestwelle

Bild: imago images / Kyodo News

Alte Macht, junge Revolte: Afrikas dritte Protestwelle

von Julia Schweers

Ob in Hongkong, Lateinamerika oder dem Mittleren Osten – überall begehren vor allem junge Menschen gegen ihre Regierungen auf. Weniger Beachtung findet dagegen die Tatsache, dass auch in Afrika der Frust der Jugendlichen immer stärker wächst.

Deutsch-französischer Wettlauf um Afrika

von Frauke Banse

Auf die Frage, was die „globalen Anfechtungen“ aus China, Russland und den USA mit Europa machen würden, antwortete Angela Merkel jüngst in einem Zeitungsinterview: „Sie fordern uns immer wieder ab, gemeinsame Positionen zu suchen. […] Unsere Afrikapolitik folgt inzwischen einer gemeinsamen Strategie, die vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen wäre.