Ausgabe Januar 2010

Die süße Täuschung der Oberflächlichkeit

Über die Verdrängung unserer kulturellen Krise

Die Studenten gehen wieder auf die Straße – und das ist gut so. Wenn heute die Schüler und Studenten in Aufruhr sind, so haben sie nicht nur Recht, sondern auch das Verdienst, auf einen tiefliegenden Irrtum hinzuweisen.

Wenn jemand bis vor Kurzem von „der Krise“ redete, dann meinte er in der Regel die gegenwärtige Finanz- und Wirtschaftskrise. Sie hat damit sogar die Klima- und Umweltkrise im Bewusstsein vieler verdrängt. Nur infolge der plötzlichen Schüler- und Studentenproteste fällt jetzt einigen beim Stichwort Krise auch die Krise unseres Bildungssystems ein.

Der Irrtum geht jedoch noch darüber hinaus, wenn nämlich die erkannten Krisen nicht in einen Zusammenhang gestellt werden. Was soll schon die Finanzkrise mit der Bildungskrise zu tun haben? Jene ist von unverantwortlich handelnden Bankern ausgelöst worden, diese von Politikern, die jahrzehntelang fast alles wichtiger fanden als in Kindergärten, Schulen und Universitäten zu investieren. Wo also besteht der Zusammenhang?

Zweifellos ist die lange Zeit von den Verantwortlichen verschleppte Bildungskrise eine der Ursachen der Umwelt-, Finanz- und Wirtschaftskrise.

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