Ausgabe März 2010

Die Überschreitung der Grenzen

Claus Leggewie zum 60. Geburtstag

Wie sehr man sich auch auf die schier unbegrenzt belastbare Gabe der Selbsttäuschung verlassen kann: Wenn man in der academia einen Artikel zum Geburtstag geschrieben bekommt, muss man unweigerlich einsehen, dass man kein junger Mann mehr ist.

Auch im Fall von Claus Leggewie wird der hier anzuzeigende 60ste Geburtstag nicht ohne jede narzisstische Irritation vonstatten gehen; aber im Gegensatz zu vielen Gleichaltrigen weist sein aktueller Gesamtzustand keinerlei Merkmale des Gealterten auf – und das gilt für den privaten wie für den wissenschaftlichen Teil in gleichem Maße.

Im Rahmen der „Blätter“ liegt es natürlich nahe, über den politischen Intellektuellen Claus Leggewie zu schreiben. Schließlich gibt es nur wenige, die sich so präsent und präzise in öffentlichen und wissenschaftlichen Fragestellungen engagieren wie er. Mir ist seine erstaunliche Treffsicherheit im Bemerken und Benennen von leicht zu übersehenden sozialen Phänomenen zum ersten Mal aufgefallen, als er mich zu einem Vortrag am Giessener Sonderforschungsbereich „Erinnerungskulturen“ eingeladen hatte, wo ich über „Opa war kein Nazi“ referierte und anschließend eine jener Diskussionen zu absolvieren hatte, in denen sich die Zuhörerschaft vor allem in der Kritik der präsentierten O-Töne aus den Zeitzeugen- und Familiengesprächen erging.

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