Ausgabe Mai 2010

Mit dem Scheckbuch gegen die Taliban?

Derweil der Afghanistankrieg immer mehr deutsche Opfer fordert und dementsprechend zu heftigen politischen Debatten führt, werden die Beschlüsse der Londoner Afghanistan-Konferenz in die Tat umgesetzt. Dabei geht es zunächst um die Erhöhung des NATO-Truppenkontingents um knapp 40 000 Soldaten. Mit diesen zusätzlichen Soldaten, von denen 850 aus Deutschland kommen, sollen die Aufständischen effektiver bekämpft und die afghanischen Streitkräfte in die Lage versetzt werden, mehr Verantwortung für die Sicherheit im eigenen Lande zu übernehmen. Daneben möchte die NATO die zivile Aufbauhilfe für das vom jahrzehntelangen Krieg zerstörte Land verstärken. Um die Taliban zu schwächen, wurde in London als Teil der „zivilen“ Hilfe ein Reintegrationsfonds beschlossen. Dieser soll dazu dienen, „gemäßigte“ Taliban-Kämpfer durch finanzielle Zuwendungen zu Wohlverhalten zu bewegen. Schon zuvor hatte der britische General Paul Newton die geplante „Scheckbuch-Diplomatie“ als „beste Waffe gegen Aufstände“ bezeichnet.[1] Im US-Militärbudget sind für diesen Zweck allein für dieses Jahr 1,3 Mrd. US-Dollar vorgesehen; von anderen Alliierten werden weitere 140 Mio. US-Dollar bereitgestellt.

Dieser Strategiewandel bringt zum Ausdruck, dass der Versuch der NATO, die Taliban militärisch zu besiegen, fehlgeschlagen ist.

Sie haben etwa 10% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 90% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Indische Soldaten

Bild: imago images / Hindustan Times

Das Ende des indischen Traums

von Arundhati Roy

Indien lebte stets von seiner Vielfalt und seinen Gegensätzen. Doch seit der Wahl von Narendra Modi zum Premierminister droht sich das zu ändern: Denn Modi kämpft für eine Vorherrschaft der Hindus – und zwar mit allen Mitteln.

Bild: imago images / Hindustan Times

Modis Indien oder: Die Schriftstellerin als Staatsfeindin

von Arundhati Roy

Ich fühle mich sehr geehrt, die diesjährige „Arthur Miller Freedom to Write Lecture“ des PEN America halten zu dürfen. Hätten Arthur Miller und ich derselben Generation angehört und wäre ich US-Bürgerin gewesen, so wären wir uns wohl bei einer Vorladung vor das Komitee für unamerikanische Umtriebe in die Arme gelaufen.