Ausgabe November 2010

Die deutschen Kennedys

Ich sage Ihnen, als Medienprofi sage ich Ihnen: Wir haben sie! Die deutschen Kennedys. Er immer smart wie ein iPhone und sie kühl & knackig & zugleich sexy, Karl-Theodor und Stephanie. Wir werden sie die „Guttis“ nennen. Das hat so einen Klang wie Goodies, Goodies good for Germany, oder so ähnlich.

Sehen Sie, die Merkel ist out, bei der versteht ja jeder nur noch Bahnhof – sehr unpopulär zurzeit. Umfragen und Mundwinkel: Alles nach unten. Aber unser fescher Freiherr, der geht auf so eine Afghanistan-Beerdigung, eine echte Schlechte-Nachrichten-Veranstaltung, und fordert glatt einen „offenen und ehrlichen“ Umgang mit dem Krieg. Das nenne ich offensiv.

Da schickt einer Leute zum Umbringen oder Umgebrachtwerden in irgend so ein Ausland, die kommen dann tot zurück oder kaputt, und der macht jetzt nicht den Tut-mir-aber-leid-Heinz, soll nicht wieder vorkommen. Nee, der setzt noch einen drauf: „Wir lassen junge Menschen schwören, für unser Land tapfer zu sein. Dann sind sie es und sterben tapfer für uns.“ Das ist doch mindestens so gut wie dieser Kennedy-Hammer damals: Frage nicht, ob Dein Land stirbt, frage lieber, wo Du für Dein Land sterben kannst, oder so ähnlich.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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