Ausgabe November 2010

Wirtschaftsdemokratie contra Krisenkapitalismus

Über den notwendigen Kurswechsel der Gewerkschaften

Große Krisen waren immer wieder der Auslöser grundlegender sozialer Reformen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden in der Weimarer Republik wesentliche Institutionen des Sozialstaates geschaffen. Die große Weltwirtschaftskrise 1929 leitete in den USA die Politik des New Deal ein. Nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden in Westeuropa die entwickelten Wohlfahrtsstaaten. Auch die jüngste große Krise des Finanzmarktkapitalismus schien zunächst neue Möglichkeiten zu eröffnen: Auf die historischen Produktionseinbrüche folgte ein unorthodoxes Krisenmanagement, zum ersten Mal seit 30 Jahren wurden wieder Konjunkturpakete geschnürt. Und als es um die Rettung der Münchner und Frankfurter Glaspaläste ging, war selbst die Eigentumsfrage plötzlich kein Tabu mehr.

Im dritten Jahr der Krise herrscht jedoch bereits wieder business as usual. Insbesondere seit die Wachstumszahlen wieder deutlich ins Positive gedreht sind, bemühen sich Regierung, Banken und Konzerne nach Kräften darum, zur alten neoliberalen Tagesordnung zurückzukehren. Die Restauration vollzieht sich jedoch nicht ohne Widersprüche. So ist der Glaube an die segensreiche Wirkung freier Märkte tief erschüttert, und für zentrale gewerkschaftliche Reformvorschläge – wie Mindestlöhne, Bürgerversicherung, Vermögensteuer, Finanzmarktregulierung – gibt es breite gesellschaftliche Mehrheiten.

Sie haben etwa 6% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 94% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (10€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Zusteller in einer Sackgasse

Bild: Baptiste Theureaux / Pixabay

Vom Verlust guter Arbeit: Das Elend der Paketboten

von Anette Dowideit

Arbeit ist einer der wichtigsten Lebensinhalte der Menschen heute. Sie stiftet Sinn, sie gibt den Menschen das Gefühl, etwas wert zu sein. Wer hingegen keine Arbeit hat, beginnt auch schneller an der Politik zu zweifeln, die er dafür verantwortlich macht.

Kollege Weinstein: Sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz

von Godela Linde

Harvey Weinstein, der einst gefeierte, dann aber massiver sexueller Belästigung und Vergewaltigung beschuldigte Hollywood-Produzent, greift auf seine Versicherung zurück: Diese zahlt 44 Mio. US-Dollar, davon 30 Mio. an betroffene Frauen, die Geldgeber seiner Filmfirma und deren Angestellte. Die übrigen 14 Mio. fließen in Weinsteins Anwalts- und Prozesskosten.