Ausgabe April 2011

„Aufschwung XXL“: Ins Abseits exportiert

Die 2007 ausgebrochene Wirtschaftskrise – die schwerste seit Ende des Zweiten Weltkriegs – scheint im Frühjahr 2011 längst der Vergangenheit anzugehören: Die Weltwirtschaft ist nach ihrem Einbruch in den Jahren 2008 und 2009 auf den alten Wachstumspfad (plus vier Prozent) zurückgekehrt. Deutschland registrierte 2010 mit plus 3,6 Prozent das stärkste Wirtschaftswachstum seit der deutschen Vereinigung – Wirtschaftsminister Rainer Brüderle zufolge ein „Aufschwung XXL“. Dieser wurde vom „Wachstumsmotor“ Export angetrieben: Mit 14,2 Prozent stiegen die Exporte deutlich stärker als die Importe. Rechnerisch ist somit fast ein Drittel des Wachstums 2010 der Steigerung des Außenbeitrags (des Saldos zwischen Exporten und Importen) zu verdanken.[1]

Damit verdreifachte sich der Anteil des Außenbeitrags am Bruttoinlandsprodukt (BIP) zwischen 1995 und 2010. Im Durchschnitt der 2000er Jahre erreichte der deutsche Exportüberschuss sieben Prozent des BIP, womit Deutschland noch vor China liegt.

Dabei unterzeichnet der isolierte Blick auf den Überschuss sogar noch die Bedeutung des Exports für das Wachstum: Die deutsche Außenhandelsdynamik wird nämlich durch Warenexporte angetrieben, die im Zuge verstärkter internationaler Arbeitsteilung einen Importsog (in Form von Rohstoffen und Vorprodukten) entfalten.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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