Ausgabe Februar 2011

Südsudan - Afrikas neuer Staat

Auch wenn die endgültigen Ergebnisse erst im Februar veröffentlicht werden: Mit dem Referendum vom 9. Januar d.J. dürfte der Südsudan sich mit überwältigender Mehrheit für die nationale Unabhängigkeit entschieden haben. Die offizielle Staatsgründung ist für Juli zu erwarten. Damit wird der fünfjährige Friedensprozess, mit dem der lang anhaltende Bürgerkrieg zwischen Nord und Süd beendet wurde, auf eine nur als historisch zu bezeichnende Weise besiegelt. Der Sudan verliert ein Drittel seines Territoriums, und im Süden entsteht ein neuer, wenn auch schwacher Staat, der 54. in Afrika.

Tatsächlich handelt es sich um eine bemerkenswerte Wendung: Der international isolierte sudanesische Präsident Omar al-Baschir, gegen den ein Haftbefehl des Internationalen Strafgerichtshofs vorliegt, hat nun selbst, allen Widerständen im Lande zum Trotz, die friedliche Loslösung des Südens ermöglicht. Gewiss, theoretisch war ein Votum der Südsudanesen für den Verbleib im Gesamtsudan möglich. Nur tatsächlich erwartet hat dies niemand. Auch die Regierung in Khartum ging stets davon aus, dass die Südsudanesen sich für die Sezession, für einen eigenen Staat entscheiden würden. Staatspräsident al-Baschir und seine Regierung wiederholten im Vorfeld jeden Tag aufs Neue, dass sie das Ergebnis des Referendums respektieren würden.

Sie haben etwa 13% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 87% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Mai 2020

In der Mai-Ausgabe analysiert der Historiker Adam Tooze das radikal Neue der Coronakrise, deren ökonomische Folgen uns noch auf Jahrzehnte beschäftigen werden. Die Politikwissenschaftler Kurt M. Campbell und Rush Doshi zeigen, wie sich China im Kampf gegen die Pandemie als neue globale Führungsmacht positioniert – vor allem gegen die USA. Der Historiker Yuval Noah Harari mahnt, dass wir Herausforderungen wie Covid-19 nur in globaler Kooperation bewältigen können. „Blätter“-Redakteur Albrecht von Lucke erörtert, wie sich die Demokratie gegen den Ausnahmezustand bewähren kann – und muss. Und Simone Schlindwein, Ellen Ehmke, Jessé Souza sowie Franziska Fluhr widmen sich den Folgen der Coronakrise für den globalen Süden.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Afrika: Die zweifache Katastrophe

von Simone Schlindwein

Es sind grausame Szenarien, die für Afrika projiziert werden. Von „zehn Millionen Toten“ durch das Coronavirus auf dem Kontinent warnte Microsoft-Gründer Bill Gates bereits im Februar: Ein massiver Ausbruch würde die ohnehin maroden Gesundheitssysteme Afrikas „überwältigen“ und dadurch zu einem Massensterben führen, erklärte er. Die Warnung Gates‘ kam nur wenige Stunden bevor in Ägypten der erste Covid-19-Fall auf dem Kontinent bestätigt wurde. Seitdem breitet sich das Virus stetig weiter gen Süden aus und mit ihm auch die Angst.