Ausgabe Januar 2011

Hartz IV: Lohndumping mit System

Die Einführung von Hartz IV gehört zu den umstrittensten sozialpolitischen Reformen der vergangenen Jahre. Seit die Bundesregierung im Herbst 2010 ihren Vorschlag zur Neufestsetzung der Hartz-IV-Regelsätze unterbreitet hat, ist erneut eine heftige Debatte entbrannt. In deren Fokus stehen das Bildungspaket für Kinder sowie die Frage, ob die Regelsätze ausreichen und korrekt ermittelt wurden. Ein zentraler Aspekt bleibt in der Debatte bisher aber unterbelichtet: Der Zusammenhang zwischen Lohndumping und Hartz IV.

Eine Betrachtung der Einkommensentwicklung in der Bundesrepublik zeigt: Seit Mitte der 90er Jahre ist die Niedriglohnbeschäftigung rasant gestiegen. Nahezu jeder fünfte Beschäftigte arbeitet mittlerweile im Niedriglohnsegment, das heißt für einen Stundenlohn von weniger als 9,50 Euro in Westdeutschland und 6,80 Euro in Ostdeutschland. Zudem nimmt die Einkommenspolarisierung zu. Laut Deutschem Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) stieg der absolute Rückstand der unteren zur mittleren Einkommensgruppe von rund 590 Euro 1999 auf rund 630 Euro im Jahr 2009. Insgesamt seien die Ärmeren nicht nur immer mehr geworden, sie würden im Durchschnitt auch immer ärmer, so das DIW.[1]

Diese zunehmende Schieflage der Einkommensentwicklung spiegelt sich in den Hartz-IV-Sätzen.

Sie haben etwa 9% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 91% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Zusteller in einer Sackgasse

Bild: Baptiste Theureaux / Pixabay

Vom Verlust guter Arbeit: Das Elend der Paketboten

von Anette Dowideit

Arbeit ist einer der wichtigsten Lebensinhalte der Menschen heute. Sie stiftet Sinn, sie gibt den Menschen das Gefühl, etwas wert zu sein. Wer hingegen keine Arbeit hat, beginnt auch schneller an der Politik zu zweifeln, die er dafür verantwortlich macht.

Kollege Weinstein: Sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz

von Godela Linde

Harvey Weinstein, der einst gefeierte, dann aber massiver sexueller Belästigung und Vergewaltigung beschuldigte Hollywood-Produzent, greift auf seine Versicherung zurück: Diese zahlt 44 Mio. US-Dollar, davon 30 Mio. an betroffene Frauen, die Geldgeber seiner Filmfirma und deren Angestellte. Die übrigen 14 Mio. fließen in Weinsteins Anwalts- und Prozesskosten.