Ausgabe Januar 2011

Journalisten im Fadenkreuz

Wer hat schon mal etwas von einem „Daniel Pearl Memorial Day“ gehört? Seit 2002 lädt die „Daniel-Pearl-Foundation“ alljährlich im Oktober zu den World Music Days ein. Mit diesen Musik-Veranstaltungen sollen Toleranz und Verschiedenheit gefeiert werden, und sie sollen auch an jenen amerikanisch-jüdischen Journalisten erinnern, der für das „Wall Street Journal“ arbeitete und im Jahr 2002 in Pakistan entführt wurde. Über Daniel Pearl und die entsetzlichen Details seiner Hinrichtung im pakistanischen Karatschi hat seine Frau ein bewegendes, wenn auch leicht kitschiges Buch geschrieben (Mariane Pearl, Ein mutiges Herz, Frankfurt am Main 2005), das ein paar Jahre später mit Angelina Jolie in der Hauptrolle verfilmt wurde. Aber trotz des riesigen Medienrummels um Buch und Film ist eigentlich nichts Bemerkenswertes vom eigentlichen Inhalt in Erinnerung geblieben.

Vielleicht sind es inzwischen ja einfach zu viele Journalisten, die wie Daniel Pearl entführt, mit dem Tode bedroht oder ohne jede Drohung brutal hingerichtet werden, nur weil ihre Arbeit Diktatoren, fundamentalistischen Gruppen und – das immer mehr – den Bossen von Drogenkartellen nicht gefällt oder weil schlicht Rache an „ihren“ Regierungen genommen werden soll. Vielleicht sind wir aber auch schon zu sehr abgestumpft und können uns deshalb die einzelnen Fälle immer weniger merken.

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In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

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