Ausgabe Juli 2011

Nordafrikanische Erfolgsgeschichten?

Jahrelang wurden Tunesien und Ägypten vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und von der Weltbank als „Erfolgsstorys“ bezeichnet. Tunesien galt als „Musterknabe“ der Strukturanpassung, während Ägypten für sein gutes Investitionsklima gefeiert wurde. Im vergangenen Jahrzehnt erzielten die beiden Staaten laut Angaben der internationalen Finanzorganisationen jährliche Wachstumsraten von durchschnittlich vier bis sechs Prozent. Selbst die internationale Finanzkrise habe lediglich eine vorübergehende „Wachstumsdelle“ hinterlassen. Neben einem stetig steigenden Pro-Kopf-Einkommen verzeichneten viele arabische Staaten wie Tunesien, Algerien oder der Oman auch große Fortschritte bei den Indikatoren der menschlichen Entwicklung – sie zählen zu den zehn Ländern, die sich seit 1980 am stärksten verbessern konnten.[1]

Umso mehr musste überraschen, dass hohe Arbeitslosigkeit und fehlende Zukunftsperspektiven gerade junger und darüber hinaus gut ausgebildeter Menschen maßgeblich zu den arabischen Revolutionen beitrugen. Tatsächlich aber haben regionale wie internationale Experten seit Jahren genau vor dieser Situation gewarnt – einem starken „Jugendüberhang“, den die Arbeitsmärkte der Region nicht absorbieren können.

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Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

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