Ausgabe Juli 2011

Nordafrikanische Erfolgsgeschichten?

Jahrelang wurden Tunesien und Ägypten vom Internationalen Währungsfonds (IWF) und von der Weltbank als „Erfolgsstorys“ bezeichnet. Tunesien galt als „Musterknabe“ der Strukturanpassung, während Ägypten für sein gutes Investitionsklima gefeiert wurde. Im vergangenen Jahrzehnt erzielten die beiden Staaten laut Angaben der internationalen Finanzorganisationen jährliche Wachstumsraten von durchschnittlich vier bis sechs Prozent. Selbst die internationale Finanzkrise habe lediglich eine vorübergehende „Wachstumsdelle“ hinterlassen. Neben einem stetig steigenden Pro-Kopf-Einkommen verzeichneten viele arabische Staaten wie Tunesien, Algerien oder der Oman auch große Fortschritte bei den Indikatoren der menschlichen Entwicklung – sie zählen zu den zehn Ländern, die sich seit 1980 am stärksten verbessern konnten.[1]

Umso mehr musste überraschen, dass hohe Arbeitslosigkeit und fehlende Zukunftsperspektiven gerade junger und darüber hinaus gut ausgebildeter Menschen maßgeblich zu den arabischen Revolutionen beitrugen. Tatsächlich aber haben regionale wie internationale Experten seit Jahren genau vor dieser Situation gewarnt – einem starken „Jugendüberhang“, den die Arbeitsmärkte der Region nicht absorbieren können.

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Es sind grausame Szenarien, die für Afrika projiziert werden. Von „zehn Millionen Toten“ durch das Coronavirus auf dem Kontinent warnte Microsoft-Gründer Bill Gates bereits im Februar: Ein massiver Ausbruch würde die ohnehin maroden Gesundheitssysteme Afrikas „überwältigen“ und dadurch zu einem Massensterben führen, erklärte er. Die Warnung Gates‘ kam nur wenige Stunden bevor in Ägypten der erste Covid-19-Fall auf dem Kontinent bestätigt wurde. Seitdem breitet sich das Virus stetig weiter gen Süden aus und mit ihm auch die Angst.