Ausgabe Juni 2011

Die USA am Scheideweg

Nach der Tötung Osama bin Ladens stehen die Vereinigten Staaten vor einer Entscheidung: Es gibt zwei Türen, die ihnen zwei unterschiedliche Wege in die Zukunft eröffnen. Welche Tür sie jetzt wählen, könnte über die Stellung entscheiden, welche die USA in der Geschichte unserer Zeit letztlich einnehmen werden.

Durch die eine Tür – deren Wahl, wie ich fürchte, weniger wahrscheinlich ist – gelangt man zu mehr Sicherheit, international wie im Inneren, und zu einer Verminderung des Konfliktpotentials sowohl im Nahen und Mittleren Osten als auch in Asien. Schlüge Washington diesen Weg ein, würde es jetzt ankündigen, dass man – da die Rechnung mit der terroristischen Bewegung, die vor einem Jahrzehnt New York und Washington angriff, nunmehr beglichen sei – die US-Truppen aus Afghanistan abziehen werde, desgleichen aus dem Irak, genau wie es Barack Obama im Wahlkampf 2008 versprach.

Washingtons Streit mit den afghanischen Taliban erwuchs aus der Unterstützung, die diese 2001 Al Qaida gewährten. Diese Angelegenheit ist jetzt erledigt. Über Afghanistans Zukunft sollte nun das afghanische Volk selbst entscheiden, was es letzten Endes auch ungeachtet aller ausländischen Einmischung tun wird.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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