Ausgabe April 2012

Wer rettet den Emissionshandel?

Im Schatten der Eurokrise gerät ein anderes europäisches Vorzeigeprojekt in Not: der europäische Emissionshandel, ein Kernstück der gemeinsamen Klimaschutzpolitik. Damit droht dem Kampf gegen die Erderwärmung – nach der enttäuschenden Klimakonferenz von Durban im Dezember 2011 und der Auszehrung des Kyoto-Protokolls – ein weiterer herber Rückschlag.

Innerhalb weniger Monate ist der Preis für europäische CO2-Emissionszertifikate von rund 17 auf 7 bis 9 Euro eingebrochen. Die Folge: Klimaverschmutzer kommen günstig davon, während Investitionen in grüne Technologien an Attraktivität verlieren.

Mit dem CO2-Preis kollabieren auch die Erlöse aus der Versteigerung von Emissionszertifikaten, mit denen die EU-Staaten ihre Klimapolitik finanzieren. Die Bundesregierung rechnet damit, ein Drittel der über zehn Mrd. Euro, die sie bis 2015 aus der Auktionierung eingeplant hatte, abschreiben zu müssen.[1] Marktanalysten gehen davon aus, dass damit nicht nur das Geld für die nationale Förderung von Gebäudesanierung, Solarheizungen und Elektroautos fehlen, sondern auch die Finanzierung des in Durban beschlossenen Green Climate Fund zur Unterstützung der Länder des globalen Südens auf der Kippe stehen würde.

Sie haben etwa 12% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 88% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Oktober 2020

In der Oktober-Ausgabe zeigt der Anthropologe Wade Davis, wie die Corona-Pandemie die gesellschaftlichen Widersprüche der USA offenlegt und ihren Niedergang als Weltmacht beschleunigt. Der Historiker Bernd Greiner porträtiert den einstigen US-Chefstrategen Henry Kissinger und dessen skrupellosen Willen zur Macht. Der Schriftsteller Zafer Şenocak fordert, dass die deutsche Außenpolitik endlich Verantwortung für die kolonialen Verbrechen übernimmt. Die Schriftstellerin Dina Nayeri beschreibt, wie ihre Fluchterfahrung ihre Identität bis heute zutiefst prägt. Und »Blätter«-Mitherausgeber Rudolf Hickel plädiert für soziale Gerechtigkeit bei der Begleichung der gewaltigen Corona-Schulden.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

75 Jahre UNO: »Gegen den Wind des Wahnsinns in der Welt«

von Jürgen Reifenberger

Vor bald 80 Jahren, angesichts der beispiellosen Eroberungs-, Vernichtungs- und Zerstörungsaktionen des nationalsozialistischen Deutschlands, starteten die Alliierten der Anti-Hitler-Koalition ein ebenso beispielloses Unternehmen: Sie wollten nichts weniger als überkommene Kriegs- und Gewaltpraktiken und konfliktauslösende Strukturen ein für allemal beenden. Dieses ambitionierte Projekt ist untrennbar verbunden mit Roosevelts Rede von den vier Freiheiten am 6. Januar 1941 vor dem US-Kongress: der Freiheit der Rede und des Glaubens, der Freiheit von Furcht und Not.

Gewalt. Macht. Hegemonie

von Bernd Greiner

Was macht eine Ordnungsmacht, wenn ihr die Ordnung entgleitet? Was bedeutet der Verlust von Macht und Einfluss? Wo ist Amerikas Platz in einer multipolaren Welt? Ist es ratsam, sich dem Wandel entgegenzustellen, ihn gar aufhalten zu wollen? Diese Fragen stellen sich den Vereinigten Staaten seit Jahren. Sie sind also keineswegs neu, sondern drängten bereits Ende der 1960er Jahre mit aller Macht auf die politische Tagesordnung.