Ausgabe Februar 2012

Maghrebinische Ungleichzeitigkeiten

Ein Jahr nach dem Aufstand

Die drei Länder des Maghreb – Tunesien, Algerien und Marokko – werden meist als Einheit betrachtet, teilen sie doch eine gemeinsame Kultur und mit Frankreich eine gemeinsame Kolonialmacht. Allerdings bestehen zwischen den Ländern fundamentale Unterschiede, die auch in der Geschichte des „Arabischen Frühlings“ zum Ausdruck kommen.

Dessen Auslöser war der Selbstmord des Tunesiers Mohammed Bouazizi am 17. Dezember 2010. Dieser hatte sich in der Bezirkshauptstadt Sidi Bouzid vor dem Amtssitz des Gouverneurs mit Benzin übergossen und angezündet. Der Grund für die Tat des jungen Mannes war schiere Verzweiflung: Bouazizi hatte einen Hochschulabschluss als Informatiker, musste aber als fliegender Gemüsehändler das Überleben seiner Familie sichern. Da er nicht in der Lage war, eine Lizenz für seinen Karren zu bezahlen, erpresste die Polizei von ihm „Strafgelder“. Kurzum: Bouazizi lebte ein Leben ohne Würde.

Im Maghreb lautet der Gegenbegriff zu Würde „Hogra“. Er bezeichnet die Demütigung, die den Bürgerinnen und Bürgern nicht nur während des Kolonialismus, sondern auch in der Zeit danach entgegengebracht wurde – vor allem seitens der staatlichen Behörden. Das Schicksal Bouazizis sahen viele Tunesier als exemplarisch für die allgegenwärtige Hogra in ihrem Lande an.

Sie haben etwa 7% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 93% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Februar 2020

In der Februar-Ausgabe warnen die ehemaligen US-Politiker Ernest J. Moniz und Sam Nunn vor einem erneuten Wettrüsten zwischen Russland und den USA. Hans-Gerd Marian und Michael Müller von den NaturFreunden Deutschlands legen die braunen Linien der deutschen Umweltbewegung offen. Der Vorsitzende der SWP, Volker Perthes, fragt nach den Auswirkungen der jüngsten Spannungen zwischen den USA und Iran – auch und gerade für Europa. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die regierenden Hindu-Nationalisten Millionen Menschen zu Staatenlosen machen und so ein neues Kastensystem schaffen könnten. Und der Stadtforscher Paul Chatterton skizziert die Zukunft der klimaneutralen, nachhaltig produzierenden Stadt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema