Ausgabe Mai 2012

China und die Krise der KP

Die jüngsten Ereignisse in China lassen vermuten, dass die längst überfällige Krise der Kommunistischen Partei Chinas (KP) begonnen hat. Dafür spricht nicht zuletzt die Affäre um jenen chinesischen Polizeichef, der in die Vereinigten Staaten flüchten wollte und aus dem Verkehr gezogen wurde. Auch die Ermordung des mysteriösen Engländers weist darauf hin. Über ihn hat der britische Außenminister anscheinend mehr gewusst, als er beim Bekanntwerden des aufsehenerregenden Mordfalls durchblicken ließ – mehr jedenfalls, als er hätte wissen dürfen, wäre sein geheimnisvoller Landsmann lediglich der harmlose Auswanderer gewesen, als der er sich ausgab und als den auch die britische Regierung ihn darstellt.

Bei der chinesischen Krise handelt es sich, worauf ich schon früher hingewiesen habe, um eine politische Legitimitätskrise. Die Kommunistische Partei Chinas bezieht ihre Legitimität ausschließlich aus dem Faktum, das sie keinen politischen Gegenspieler hat. 1976 erbte sie von Mao Zedong ein geschundenes und demoralisiertes Land. Maos morbider Narzissmus, Ausgeburt seiner uneingeschränkten Machtvollkommenheit, hatte ihn einst zum „Großen Sprung nach vorn“ verleitet. Darauf folgte die Kulturrevolution, die schließlich in dem Putschversuch der „Viererbande“ gipfelte, hinter dem Maos Witwe stand.

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Aktuelle Ausgabe April 2026

In der April-Ausgabe erinnert Hauke Brunkhorst an den großen Sozialphilosophen und langjährigen »Blätter«-Mitherausgeber Jürgen Habermas, der am 14. März 2026 gestorben ist. Im Mittelpunkt seines Lebenswerks stand die Verteidigung der Demokratie. Diese, und mit ihr die Idee eines freien Westens, wird derzeit besonders von einer Figur herausgefordert: Donald Trump. Den unkalkulierbaren Folgen des Irankriegs für die Region wie für die internationale Ordnung widmen sich Dalia Dassa Kaye sowie Nicole Deitelhoff. Robert Kagan wiederum skizziert die absehbaren kriegerischen Folgen einer durch Trump zerstörten amerikanischen Ordnung – und deren hohe Kosten für die USA selbst. Was uns Thukydides heute über den drohenden Zusammenbruch der liberalen Welt lehren kann, fragen Carlotta Voss und Daniel-Pascal Zorn. Und Nick Reimer sowie Olga Bubich erinnern an die Reaktorkatastrophe von Tschernobyl vor vierzig Jahren und ihre Gegenwart im Schatten des Ukrainekrieges.

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