Ausgabe November 2012

Die neue Bildungskatastrophe

Zur Lage der Universitäten und ihrer Wissenschaftlerinnen

Auch in diesem Jahr werden viele Studierende und Lehrende eher seufzend in das Wintersemester gestartet sein: Seit Jahren steht an den Universitäten eine rapide steigende Zahl Studierender einer sinkenden Anzahl von Dozentinnen und Dozenten gegenüber. Die Folge sind überfüllte Hörsäle und eine schlechte Betreuung der Studierenden, obwohl gerade letztere im Zuge der Bachelor-Reform eigentlich verbessert werden sollte.

Der Grund dafür ist die massive Unterfinanzierung der großen Mehrzahl der deutschen Universitäten, was sich vor allem in einer zu geringen Anzahl an Hochschullehrerinnen und -lehrern niederschlägt: „In absurder Art und Weise wird seit dem Ausbau zur Massenuniversität geleugnet, dass Wissenschaft ein Beruf ist“, beschreibt der Germanist Remigius Bunia die fatale Situation.[1] Das zentrale Problem der deutschen Universitäten besteht in der mangelhaften Anerkennung der Lehre. Tatsächlich wurde die Anzahl der Professoren und Lehrenden nicht im Entferntesten dem neuen Bedarf entsprechend angehoben, seit die Universitäten in den 1970er Jahren zu „Volksuniversitäten“ umstrukturiert worden sind. Im Gegenteil: Seit Mitte der 1990er Jahre baute man Personal ab. Nichtsdestotrotz empfehlen Politik und Wissenschaftsrat ungerührt, dass sich die Universitäten mit Nachwuchsförderprogrammen ein besonderes Profil erarbeiten sollen.

November 2012

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Zusteller in einer Sackgasse

Bild: Baptiste Theureaux / Pixabay

Vom Verlust guter Arbeit: Das Elend der Paketboten

von Anette Dowideit

Arbeit ist einer der wichtigsten Lebensinhalte der Menschen heute. Sie stiftet Sinn, sie gibt den Menschen das Gefühl, etwas wert zu sein. Wer hingegen keine Arbeit hat, beginnt auch schneller an der Politik zu zweifeln, die er dafür verantwortlich macht.

Kollege Weinstein: Sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz

von Godela Linde

Harvey Weinstein, der einst gefeierte, dann aber massiver sexueller Belästigung und Vergewaltigung beschuldigte Hollywood-Produzent, greift auf seine Versicherung zurück: Diese zahlt 44 Mio. US-Dollar, davon 30 Mio. an betroffene Frauen, die Geldgeber seiner Filmfirma und deren Angestellte. Die übrigen 14 Mio. fließen in Weinsteins Anwalts- und Prozesskosten.