Der Sommer ist vorbei, die Löcher bleiben. Vor allem im deutschen Feuilleton. Überall Einschusslöcher, die deutschen Edelfedern hinterrücks gemeuchelt – man sieht nur noch die Schmauchspuren: Der omnipräsente FAZ-Herausgeber, Wunderknabe des deutschen Feuilletons, in Krimi-Form als Windbeutel und Lustmolch entlarvt – und zwar von niemand Geringerem als dem Kulturchef des schärfsten Konkurrenten, der „Süddeutschen Zeitung“, ehemals selbst FAZke, der wiederum vom „Welt“-Feuilletonisten, auch Ex-FAZler, enttarnt, sprich: journalistisch gemordet wird.
Was für ein Inzest! Die deutsche Hochkultur ein Pfuhl des Neides und der Sünde. Ein Schelm, wer dabei nicht an Balzacs Beschreibung des Literatenmilieus im 19. Jahrhundert dächte: überall „Verlorene Illusionen“, wenn man denn noch welche gehabt hätte.
Was daher not tut, ist ein Purgatorium, ein reinigendes Fegefeuer. Ja, es ist an der Zeit, endlich für die gebotene lichterlohe Aufklärung zu sorgen. Und wer wäre hierfür besser geeignet als unser Balzac der Gegenwartsphilosophie, der Feuilletonist auf offener Bühne, Peter Sloterdijk, kurz PS?
Doch welch Malheur, auch hier dräut neuerdings die Leere: Das philosophische Quartett – mit Sloterdijk, Safranski und Co. – wurde wegen gähnender Langeweile eingestellt, genauso wie das Panzersche Nachtstudio.
In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social-Media- kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.