Ausgabe September 2012

Japan: Wie Phönix aus der Asche?

Im Jahr 1923 wurde Tokio durch ein Erdbeben der Stärke 7,9 zerstört; 142 000 Menschen kamen dabei ums Leben. Anschließend wurde die Stadt zwar großzügiger und moderner als zuvor wieder aufgebaut, aber man sagt bis heute, dass sich mit dem Erdbeben das politisch-gesellschaftliche Klima des ganzen Landes radikal verändert habe.

Dabei war Japan damals, in der sogenannten Taisho-Ära, auf dem Weg von einer wirtschaftlich zwar bereits modernen, aber politisch autoritären Monarchie in eine freie, demokratische Gesellschaft. Das gesellschaftliche Leben, Kunst und Literatur nahmen einen breiten Aufschwung; eigentlich schien Japan auf dem besten Weg in eine demokratische Moderne.

Doch nach dem Erdbeben verlor die japanische Gesellschaft nach und nach ihre optimistische Grundeinstellung. An die Stelle des „Mehr Demokratie wagen“ traten wieder autoritäre Regierungen. Rechtsradikale Gruppierungen, unter ihnen viele junge Offiziere, gewannen im öffentlichen Diskurs die Oberhand. Statt in einer liberalen Demokratie landete Japan in einem Militärstaat.

Bringt nun auch die dreifache Katastrophe vom 11. März 2011 – Erdbeben, Tsunami, atomarer GAU – einen Wandel Japans? Die Anzeichen dafür mehren sich. Doch in welche Richtung könnte der Wandel gehen?

Anders als 1923 herrschte bereits vor dem 11. März 2011 in Japan keine optimistische Grundstimmung.

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