Ausgabe August 2013

Steuervorteil Trauring: Der Kampf ums Ehegattensplitting

Seit über 50 Jahren wird über Sinn und Unsinn der gemeinsamen Besteuerung von Ehepaaren in der Bundesrepublik gestritten, ohne dass es zu gravierenden Veränderungen gekommen wäre. Nun erklärte das Bundesverfassungsgericht mitten im Wahlkampf den Ausschluss gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften aus dem Ehegattensplitting für verfassungswidrig und entschied, dass die Regelung auch auf eingetragene Partnerschaften ausgeweitet werden müsse – dem kam die schwarz-gelbe Koalition kurz vor der Wahl nach.

Dennoch kocht die Frage um den besonderen Schutz der Ehe im Wahlkampf weiter hoch: Wollte die Union – wie noch immer die FDP – das Ehegattensplitting lange in seiner jetzigen Form beibehalten, fordert sie nun dessen Ausbau zu einem Familiensplitting, bei dem die Kinderfreibeträge auf die Höhe der Freibeträge der verheirateten Eltern angehoben werden sollen. Bei einer vierköpfigen Familie wären damit mehr als 33 000 Euro steuerfrei. SPD und Grüne hingegen fordern eine Einschränkung des Splittingvorteils, die Linkspartei sogar dessen Abschaffung. Doch trotz aller wiederkehrenden Debatten spricht vieles dafür, dass die jüngste Reform vorerst die einzige gravierende Änderung bleiben wird, obwohl es an Kritik und an Alternativen nicht mangelt.

Sie haben etwa 4% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 96% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (2.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Juni 2026

In der Juni-Ausgabe deutet Andreas Püttmann den Aufstieg der Rechten als Ausdruck einer tiefgreifenden kulturellen Krise und eines entgrenzten Narzissmus. Meron Mendel plädiert für eine Pluralisierung der Erinnerungskultur, die nicht nur warnt, sondern auch verbindet. Angesichts des gegenwärtigen autoritären Umbruchs entwirft Franziska Brantner einen neuen Liberalismus, der Freiheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zusammendenkt. Nina Kolleck erklärt, warum die Nutzung von Social Media kein Privatproblem ist und die Verantwortung für deren gravierende Folgen zuvorderst bei den Plattformbetreibern liegt. Carola Lentz würdigt die Geschichte des Goethe-Instituts und die demokratische Qualität seiner Kulturarbeit, die heute zunehmend in das Fahrwasser rauer Machtpolitik gerate. Wolfgang Zellner lotet in einer von Ordnungszerfall und Großmachtkonkurrenz geprägten Welt die Handlungsspielräume Europas aus, während Wolfgang Kaleck fragt, wie sich das Völkerrecht gegen Trump verteidigen – und weiterentwickeln – lässt.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Bruch und Kontinuität

von Wolfgang Kaleck

Mit ihren Interventionen in Venezuela und Iran ist die zweite Trump-Regierung zu einem Frontalangriff auf das Völkerrecht übergegangen – und im Inneren der USA höhlt sie den Rechtsstaat immer weiter aus. Das oft opportunistische Verhalten europäischer Regierungen gegenüber Trump schwächt die internationale Ordnung zusätzlich.

Die Wehrpflicht gleicher Bürger

von Sven Altenburger

Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat in Deutschland eine intensive Debatte über die Notwendigkeit einer Wehrpflicht ausgelöst. Dabei werden die ideengeschichtlichen Grundlagen der Wehrpflicht von ihren Gegnern regelmäßig verkannt, nämlich Republikanismus und Egalitarismus.

Frieden durch Recht

von Cinzia Sciuto

Am Anfang stand der 11. September 2001. Danach wurde die Lawine losgetreten: Ein langsamer, aber unaufhaltsamer Erdrutsch erfasste die internationale rechtliche und politische Ordnung. Ein Erdrutsch, der nach und nach die supranationalen Institutionen und die stets fragile, aber nie völlig illusorische Utopie einer friedlichen und auf dem Recht basierenden Weltordnung tief erschüttert hat