Ausgabe Dezember 2013

Der halbe und der ganze Marx

Bild: Beck Verlag

An seiner Person scheiden sich Geister und Gemüter bis heute. Über den Donnergott Marx hat sich schon Bertolt Brecht gewundert. Auf Fotos sehe der Titan ganz manierlich aus, „nichts daran von einem Preisringer und Maulhelden”, „er hat eher das Aussehen eines Ingenieurs und Erfinders“, meinte er.[1] Marx hat viele Biographen angezogen, mehr als 50 Marx-Biographien gibt es, von kurzen Abrissen bis zu abschreckenden Wälzern, von seinem Weggefährten Friedrich Engels bis zum französischen Wirtschaftswissenschaftler und Mitterrand-Berater Jacques Attali und dem britischen Journalisten Francis Wheen. Nun also wieder eine große Marx-Biographie, geschrieben von dem US-amerikanischen Historiker Jonathan Sperber und fast gleichzeitig in diesem Jahr auf Englisch und Deutsch erschienen. Es ist ein dickes Buch, 634 Seiten lang, gut geschrieben, auf der Höhe der Forschung.

Wozu aber eine neue Marx-Biographie? Jonathan Sperber ist als Professor für moderne europäische Geschichte des Deutschen mächtig; er kennt sich aus im Europa des 19. Jahrhunderts, im Rheinland, im Vormärz, in der 1848er Revolution. Als erster Marx-Biograph hat er ausgiebig aus den Quellen geschöpft, die die neue Marx-Engels-Gesamtausgabe, bekannt unter ihrem Akronym MEGA2, bereitstellt. Das allein schon verdient höchstes Lob.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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