Ausgabe Februar 2013

Weltmacht an der Klippe

Zum Jahreswechsel erlebten die USA ein Polittheater sondergleichen – und unter besonders dramatischen Vorzeichen. Die einzig verbliebene Weltmacht, die noch immer größte Volkswirtschaft, drohte an der Fiskalklippe zu scheitern. Alle Welt, die Märkte, die Regierungen und die Medien, hatten Washington starr im Blick; alles raunte über die drohende Mega-Katastrophe. Doch der angekündigte Weltuntergang wurde um 5 nach 12 abgeblasen, fürs erste jedenfalls.

Zwei Tage, nachdem die Frist abgelaufen war, einigten sich die verfeindeten Parteien im tief gespaltenen Kongress auf eine Kompromissformel, den American Tax Payer Relief Act of 2012, um sich sogleich für den nächsten Waffengang zu rüsten. Selbst hochrangige Republikaner – wie Chris Christie, der Gouverneur von New Jersey – werfen der eigenen Partei Versagen und kaltschnäuzige Gleichgültigkeit gegenüber den Belangen der einfachen Bürgerinnen und Bürger vor.

Tatsächlich glauben laut Umfragen inzwischen nur noch weniger als elf Prozent der Amerikaner, dass im Kongress noch ernsthafte Arbeit für das Land und seine Bürger geleistet werde. Der politische Flurschaden ist enorm; auch die neu gewählten Senatoren und Abgeordneten des 113. Kongresses, der kurz nach dem famosen Kompromiss zusammentrat, werden ihn so rasch nicht bereinigen können.

Sie haben etwa 11% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 89% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (1.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe Januar 2020

In der Januar-Ausgabe warnt der Journalist Alexander Hurst vor einem drohenden Bürgerkrieg in den USA, sollte Donald Trump eine Abwahl in einem Jahr nicht akzeptieren. Die indische Schriftstellerin Arundhati Roy zeigt, wie die Hindu-Nationalisten die innere Vielfalt Indiens bekämpfen und selbst vor kriegerischen Mitteln nicht halt machen. »Blätter«-Redakteurin Julia Schweers beleuchtet den Generationenkonflikt, der in Afrika zu einer dritten kontinentalen Protestwelle führen könnte. Der Soziologe Mathias Greffrath fordert die Abkehr vom Mantra des ständigen Wachstums, um dem »Zeitalter der Verwüstung« ein Ende zu setzen. Und »Blätter«-Mitherausgeber Micha Brumlik analysiert die antisemitische Kontinuität von der DDR bis ins heutige Ostdeutschland.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Bild: imago images / UPI Photo

Nach Trump: Aussichten auf den Bürgerkrieg

von Alexander Hurst

US-Präsident Donald Trump prahlt immer wieder mit der Muskelkraft seiner Anhänger, was seiner zunehmend bedrängten Präsidentschaft einen drohenden Unterton verleiht. „Ordnungskräfte, Militär, Bauarbeiter, Bikers for Trump… Das sind harte Leute“, sagte er 2018 bei einer Wahlveranstaltung in St. Louis, Missouri.

Die Einflüsterer des Präsidenten: Fox News und Donald Trump

von Klaus Kamps

Erstaunliche Meldungen waren das, in der Tat: US-Präsident Donald Trump möchte Grönland kaufen, befiehlt amerikanischen Unternehmen, China zu verlassen, erklärt den Chef der amerikanischen Zentralbank zum Feind – und beschwert sich über seinen Lieblingssender, „Fox News“, weil dort nicht nur schlechte Umfragewerte über ihn zu hören waren, son

Die Wirtschaft, die wir brauchen

Bild: sol/Unsplash

Die Wirtschaft, die wir brauchen

von Joseph E. Stiglitz

Für große Teile der Menschen in den westlichen Industrienationen funktioniert die Markwirtschaft nicht mehr. Wir brauchen daher einen progressiven Kapitalismus, der sich durch Regulierungen, Reformen und einen neuen Gesellschaftsvertrag auszeichnet.