Ausgabe Juni 2013

Leben versus Profit

Der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten hat vor kurzem seine Beratungen in einem Fall aufgenommen, der ein Schlaglicht auf einen zutiefst problematischen Sachverhalt wirft: Dabei geht es um die Rechte an geistigem Eigentum. Das Gericht muss folgende Frage beantworten: Sind menschliche Gene – Ihre Gene – patentierbar? Anders ausgedrückt: Sollte jemand grundsätzlich das Eigentumsrecht an einem Test auf eine Gensequenz besitzen dürfen, die bewirkt, dass Sie mit mehr als 50prozentiger Wahrscheinlichkeit an Brustkrebs erkranken werden?

Für jene, die sich außerhalb der obskuren Welt des Rechts am geistigen Eigentum bewegen, scheint die Antwort offensichtlich: Nein. Ihre Gene gehören Ihnen. Ein Unternehmen mag, allerhöchstens, das geistige Eigentum an seinem genetischen Test innehaben; und weil die zur Entwicklung dieses Tests durchgeführten Forschungs- und Entwicklungsmaßnahmen wahrscheinlich eine Menge Geld gekostet haben, darf das Unternehmen möglicherweise zu Recht eine Gebühr für die Durchführung des Tests erheben.

Doch ein Unternehmen mit Sitz im US-Staat Utah, Myriad Genetics, beansprucht mehr als das. Es macht Rechte an allen Tests geltend, mit denen die beiden entscheidenden mit Brustkrebs verbundenen Gene nachgewiesen werden können – und hat diese Rechte rücksichtslos durchgesetzt.

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In der Februar-Ausgabe analysiert Ferdinand Muggenthaler die Folgen des US-Militärschlags in Venezuela für Lateinamerika – und erläutert, an welche Grenzen Trumps imperiale Ambitionen auf dem Subkontinent stoßen könnten. Nach vier Jahren russischer Vollinvasion und einem Jahr Trump ist die Ukraine zu einem zentralen Schauplatz im Ringen um eine imperiale globale Ordnung avanciert, argumentiert Steffen Vogel. Ulrich Menzel beschreibt die Konturen des heranbrechenden neuen imperialistischen Zeitalters, in dem das »Trio infernale« – USA, Russland und China – miteinander um die globale Vorherrschaft ringt. Seyla Benhabib beleuchtet unter Rückgriff auf das Denken Hannah Arendts die dramatischen Herausforderungen der Demokratie im planetarischen Zeitalter. Sonja Peteranderl zeigt auf, wie sich deutsche Behörden aus ihrer Abhängigkeit von Trump-hörigen Tech-Konzernen lösen können. Dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk hierzulande nicht nur innenpolitisch unter Druck steht, sondern auch ausländische Regierungen politisch Einfluss auszuüben versuchen, zeigt Wolfgang Kraushaar am Beispiel der Kontroverse um die ARD-Israel-Korrespondentin Sophie von der Tann. Und Georg Diez plädiert angesichts der wachsenden Stimmenanteile der AfD für die Abkehr von Parteidisziplin und den Umbau der Demokratie hin zu einer zielorientierten Zwei-Drittel-Republik.

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