Ausgabe September 2013

Der BRICS-Komplex

Der Aufstieg des Südens – und seine Grenzen

In den frühen 2000er Jahren wurden die Forschungsanalysten der größten Investmentbank der Welt, Goldman Sachs, auf einen neuen Block starker südlicher Staaten aufmerksam. Einer der ihren, Jim O’Neill, prägte daraufhin 2001 den Begriff BRIC – für Brasilien, Russland, Indien und China.

O’Neill hatte keinen Sinn für Politik, bei ihm drehte sich alles um die Ökonomie. Für den Mann von Goldman Sachs war allein die Größe ausschlaggebend: Die BRIC-Staaten (später, mit Südafrika, BRICS) umfassten riesige Landflächen, auf denen große Bevölkerungen lebten, die nun begonnen hatten, enorme Mengen an Gütern und Dienstleistungen hervorzubringen. Brasilien und Russland exportierten Rohmaterialien nach Indien und China, die im Gegenzug Fabrikwaren und Handelsdienstleistungen lieferten. Der Transit zwischen diesen Giganten hatte das Potential, ohne Europa, Japan und die Vereinigten Staaten auszukommen, die bisher als Mittler für den größten Teil des Welthandels fungiert hatten.

Die BRIC-Staaten würden nicht nur als größte Wirtschaftseinheiten des Planeten hervortreten, die Analysten hatten vielmehr den Eindruck, dass der BRIC-Block sogar das Potential besaß, den globalen Norden zu verdrängen.

Sie haben etwa 3% des Textes gelesen. Um die verbleibenden 97% zu lesen, haben Sie die folgenden Möglichkeiten:

Artikel kaufen (3.00€)
Digitalausgabe kaufen (9.50€)
Anmelden

Aktuelle Ausgabe März 2020

In der März-Ausgabe analysieren der Ökonom James K. Galbraith, der »Blätter«-Mitherausgeber Claus Leggewie und der Historiker Paul M. Renfro, wie die US-Demokraten Donald Trump bei der Präsidentschaftswahl im November schlagen könnten. Die Kulturwissenschaftlerin Aleida Assmann plädiert für die Wiederaneignung des Nationenbegriffs, den sie nicht den Rechten überlassen möchte. Der Umweltaktivist Bill McKibben setzt auf die Kraft der Sonne und des gewaltfreien Protests, um die Klimakrise noch aufzuhalten. Und die Soziologin Christa Wichterich beobachtet eine neue Welle transnationaler feministischer Bewegungen im Kampf für Geschlechtergerechtigkeit.

Zur Ausgabe Probeabo

Weitere Artikel zum Thema

Hellsicht in Zeiten des Umbruchs

von Christopher Resch

Sie sind nicht zu beneiden, die Experten, die Inhaber hoher internationaler Posten, die weißen Männer des Westens. Sozialisiert im Kalten Krieg, müssen sie miterleben, wie das Bündnis zwischen Europa und den USA wankt, das Systemdenken zerbricht, der Grund ihres Handelns ins Schwanken gerät.